Christa Dietrich

Kommentar

Christa Dietrich

Shades of Gähn

Kultur / 26.10.2012 • 18:42 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Der letzte Band der Soft-Porno-Reihe „Shades of Grey“ liegt jetzt in den Regalen. Das Gute daran: Das Buch bringt Umsatz – auch in Vorarlberg. Das Schlechte daran: nichts. Das Erwähnenswerte daran: der Umgang damit.

Bei anderen Büchern wäre es der Inhalt. Damit braucht man sich bei „Shades of Grey“ (Band drei trägt den Untertitel „Befreite Lust“) aber nicht aufzuhalten. Reicher Schnösel bringt einer pekuniär wie sexuell Unerfahrenen die Spielarten des Horizontalen bei, und weil das so detailreich und dabei so bigott beschrieben ist, dass es sich unbehelligt vermarkten lässt, will jeder etwas vom Werbekuchen.

So pushen also auch anspruchsvolle Zeitungen das Werk zur Millionenauf­lage, und weil angesichts des Dünnpfiffs kaum jemand noch etwas zu schreiben weiß, sollte der Ehemann der Autorin Erika Leonard seine Sicht erläutern. Frauen würden nach der Lektüre über die Männer herfallen, meinte dieser Auflagen-steigernd. Jüngst, in einem ZDF-Magazin, wurde die Filmjournalisten Katja Eichinger zum Buch befragt. Sie sei nicht über mehr als ein paar Seiten hinausgekommen, meinte sie. Der Moderator wechselte schnell das Thema. Ehrlichkeit ist bei Bestsellern offenbar fehl am Platz, auch wenn sie literarisch nichts hergeben und inhaltlich zum Gähnen sind. ##Christa Dietrich-Rudas##

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