Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Stolz auf dieses Österreich

Kultur / 26.10.2012 • 20:11 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Das mit dem Staatsfeiertag, das ist so eine Sache. Ich liebe dieses Land, bin glücklich, dass ich hier lebe, dass ich in diesem besonders schönen Teil unserer Nation, ganz im Westen, weitgehend mein bisheriges Leben verbracht habe. Schließlich gäbe es schlechtere Punkte auf der Welt, wohin es einen verschlagen hätte können. Aber Stolz, wirklichen Stolz, kann man den auf dieses Land haben? Auf ein Land, in dem Korruption als Kavaliersdelikt gilt, auf ein Land, in dem es nach wie vor üblich und nicht gar so verpönt ist, die Hand aufzuhalten, auf ein Land, in dem die politische Kaste aufgrund unerträglichen Verhaltens jeglichen Kredit bei der Bevölkerung verspielt hat? Das zeigt sich auch in einer neuen Umfrage: Nur ein Prozent der Bevölkerung glaubt, dass man auf das internationale Ansehen unserer Politiker stolz sein kann. Damit liegen die Politiker am untersten Punkt einer langen Liste.

Interessant ist, dass auf der anderen Seite der Skala die Winzer liegen. Die, so meinen weit mehr als die Hälfte der Befragten, sind für Österreichs Ruf in der Welt wichtig. Deshalb habe ich am gestrigen Staatsfeiertag ein Glas guten österreichischen Weines auf den Staat und die Weinbauern gehoben.

Sonst aber wollte ich den besonderen Tag der Nation einmal in der Bundeshauptstadt verbringen. Nicht dort, wo das Bundesheer am Heldenplatz seine Panzer auffahren lässt und nichts Gescheiteres im Kopf hat, als Kinder auf solche Mordinstrumente zu nehmen. Nein, am Heldenplatz war ich nicht, aber ich habe an ihn gedacht, indem ich an Thomas Bernhard und sein gleichnamiges Stück gedacht habe. Das haben sie am Staatsfeiertag nicht gegeben, aber immerhin Bernhards „Claus Peymann kauft sich eine Hose und geht mit ihr essen“, und das noch mit Claus Peymann in der Hauptrolle.

Und da fiel mir ein, dass es damals, als Peymann Burgtheaterdirektor war, zum Skandal kam. Als „Heldenplatz“ gespielt wurde, kippten ein paar besonders kulturlastige Mitbürger einen Misthaufen vor das Burgtheater, um zu zeigen, was sie von solchen Direktoren und Autoren halten. Erstaunlich, dass trotz solcher Geschichte heute immer noch 20 Prozent der Österreicher stolz auf ihre Literaten sind. Das ist doch gar nicht so schlecht. Immerhin zwanzigmal mehr als auf die Politiker. Vielleicht kann man doch etwas stolz sein?

walter.fink@vn.vol.at
Die Meinung des Gastkommentators muss nicht mit jener in der Redaktion übereinstimmen.