Christa Dietrich

Kommentar

Christa Dietrich

Améry aus Hohenems

Kultur / 02.11.2012 • 20:13 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Dass Stefan Zweig bzw. seine Mutter aus Hohenems stammte, hatte zur Folge, dass man sich dort unter anderem im vergangenen Frühjahr nicht nur eingehend mit dem bedeutenden österreichischen Schriftsteller befasste, der sich in Brasilien – ins Exil getrieben – das Leben nahm, sondern auch mit Faschismus und Nationalsozialismus bzw. Vertreibung und Flucht. In Hohenems, an der Grenze zur Schweiz, hat das Thema eine besondere Bedeutung.

Vor hundert Jahren wurde Jean Améry geboren, in Wien, unter dem Namen Hans Maier. Der Essayist hatte als Gegner des Nationalsozialismus Verfolgung und Folter erlebt, gibt in seinen Arbeiten Einblick in das Grausame, das er erleiden musste, aber auch in das, was Täter und Nachwelt verdrängen. (1978 setzte Améry seinem Leben während eines Aufenthaltes in Salzburg ein Ende.)

Gerade in einer Zeit, in der Begriffe wie Schämen und Fremdschämen in der Alltagskultur wie in der Politik immerhin wieder – wenn auch oft nur oberflächlich – gebräuchlich geworden sind, ist das Lesen über seine Forderung nach Scham und nach Auseinandersetzung mit Scham mehr als angebracht.

Der Verlag Klett-Cotta hat seine Werke im Programm, das Jüdische Museum Hohenems veranstaltet am 6. November einen Vortrag zu Jean Améry. Die Frage, wie viel Heimatlosigkeit ein Mensch verträgt, wird vom Wiener Literaturwissenschafter Gerhard Scheit erörtert.

„Wie viel Heimat braucht der Mensch?“ heißt ein Améry-Essay, dessen Lektüre sich besonders empfiehlt. Die Frage, woher er kommt, hat der Schriftsteller einst mit Hohenems beantwortet. Sein Großvater stammte von dort. Aber nicht nur das wurde bedeutend, sondern überhaupt die Nennung eines Ortes. ##Christa Dietrich-Rudas##

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