Heimspiel für ein junges Klaviertalent

Kultur / 02.11.2012 • 20:55 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Junges Klaviertalent aus Röthis: Hanna Bachmann (19). Foto: F. Jurmann
Junges Klaviertalent aus Röthis: Hanna Bachmann (19). Foto: F. Jurmann

Die 19-jährige Hanna Bachmann zeigte enorme Fortschritte in der Ausbildung.

Röthis. (VN-ju) Nicht schlecht gestaunt hat eine Gruppe von Senioren, als gestern Nachmittag im Schlössle bei einem von der Kulturinitiative „z’Röthis dabei“ getragenen Klavierrecital eine junge Dame aus der Gemeinde, also eine echte „Röthnerin“, überzeugend ihre Klavierkünste demonstrierte.

Studium in Salzburg

Die ansehnliche Pianistin (19) stammt aus der Talenteschmiede von Ferenc Bognar am Konservatorium, holte sich weitere Anregungen bei Florian Krumpöck in Wien und studiert seit 2011 am Salzburger Mozarteum das Konzertfach bei dem Russen Pavel Gililov. Ein konsequent beschrittener Karriereweg, belohnt bislang 2006 durch ein Stipendium der Stiftung „Musik & Jugend“ Liechtenstein sowie durch Preise und Auftritte im engeren und weiteren Umkreis. Seit ihrem Röthner Debüt vor gut zwei Jahren hat Hanna einiges an Reife dazugewonnen, auch an Ausdrucksvermögen und Differenzierungskunst. War manches früher oft noch zu gleichförmig und zu wenig ausgefeilt, so geht die junge Künstlerin jetzt viel mehr ins Detail.

Bei der einleitenden düsteren a-Moll-Sonate von Schubert, D 784, tut sie des Guten etwas zu viel. Die Dramatik dieses Werkes, das der Komponist in einem seelischen Zwiespalt schrieb, lässt sich auch anders ausdrücken als durch übertriebene Forte-Ausbrüche. Das verträgt Schubert genauso wenig wie der kleine Saal und der Schimmel-Stutzflügel, der diesmal wenigstens perfekt gestimmt ist. Aber die junge Künstlerin beleuchtet dazwischen auch die sanglichen Seiten des Werkes, gestaltet den zerklüfteten zweiten Satz mit seinen immer wieder abbrechenden Motiven zum beklemmenden Psychogramm, den dritten in atemberaubendem Tempo zu einer Flucht vor dem drohenden Schicksal. Hanna weiß, was sie da spielt.

Vornehme Vortragsweise

Bei Mozarts populärer A-Dur-Sonate, mit ihrem Variationensatz und dem „Alla turca“ ein „Schmankerl“ für das Publikum, wählt sie eine elegant tänzerische, vornehme Vortragsweise. Die notwendige Kraftentfaltung kommt hier nur im „Türkischen Marsch“ zum Tragen. Schumanns „Carnaval“ op. 9 als Prüfstein gibt ihr in seinen 22 leicht hingeworfenen Bildern Gelegenheit, höchst virtuos und konzentriert einen kleinen Kosmos an effektvollen Formen und Farben zu entfalten.

Wiederholung dieses Konzertes im Schlössle Röthis: heute, 3. November, 19 Uhr (Eintritt frei)