Von Grenzfällen und Grenzgängern

Kultur / 02.11.2012 • 20:13 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Schauspieler Michael Caine mit Viennale-Leiter Hans Hurch. Foto: APA
Schauspieler Michael Caine mit Viennale-Leiter Hans Hurch. Foto: APA

Die Viennale ist international, aber auch ein Fest des jungen österreichischen Films.

Wien. Eine beeindruckende Retrospektive ist dem gebürtigen Wiener Fritz Lang gewidmet. Der Stummfilmklassiker „Metropolis“ wird in einer aktualisierten Fassung gezeigt. Schauspieler Michael Caine präsentierte sich im Publikumsgespräch auch mit 79 Jahren als wunderbarer Entertainer. In „Sleuth“, (Regie: Joseph Mankiewicz), legt er an der Seite von Sir Laurence Olivier in mehreren Verkleidungen eine in jeder Hinsicht bravouröse Leistung hin. Die Viennale ist traditionell dem internationalen Film gewidmet, dennoch werden auch heuer einige spannende Produktionen aus Österreich gezeigt. Wer auf den in Cannes und Venedig eingeladenen Ulrich Seidl hoffte, wurde enttäuscht. Schon im Vorfeld hat Seidl die Präsentation von „Paradies: Liebe“ und „Paradies: Glaube“ zurückgezogen. Ins Vorabendprogramm wollte er sich nicht abdrängen lassen. Antonin Svoboda rollt in „The Strange Case of Wilhelm Reich“ die befremdliche Geschichte des Pioniers der Psychoanalyse neu auf. Wilhelm Reich, gespielt von Klaus Maria Brandauer, wird in den USA angeklagt. Der Film erzählt in Rückblenden von den Arbeiten und umstrittenen Erfindungen Reichs in seinem Therapiezentrum Orgonon. In Reichs Entourage befinden sich eine ganze Reihe namhafter Schauspielerinnen. Jeannette Hain verkörpert seine junge Geliebte, Julia Jentsch seine irritierte Tochter und Birgit Minichmayr eine verräterische Biologin.

Svoboda versteht es, den rebellischen Charakter von Wilhelm Reich zu zeigen. Manchmal wirken die in englisch gesprochenen Dialoge etwas hölzern, aber das Thema Wilhelm Reich ist dennoch spannend aufbereitet und in wunderschöne Bilder gegossen. Wer nun glaubt, diese wunderbaren Drehorte und Originalschauplätze befinden sich in den Vereinigten Staaten, der irrt. Sie wurden in Wien, im Waldviertel und in Spanien gefunden. Der Film kommt im Jänner in die Kinos.

Einem anderen Österreicher, dem Filmemacher Peter Kubelka, ist der beinah’ vierstündige Dokumentarfilm von Martina Kudlacek gewidmet. Kubelka versteht es, in vielen Interviews mit der Regisseurin das Physische des Films sichtbar und spürbar zu machen. Kubelka zeigt Artefakte aus seiner umfangreichen Sammlung und führt Anekdoten über seine Kindheit aus. Von ihm ist ja auch die enge Verknüpfung zwischen Kochen und Filmen bekannt.

Mit „Grenzgänger“ (2012) hat Florian Flicker wieder nach langer Zeit einen Spielfilm herausgebracht. Es handelt sich um eine Dreiecksgeschichte zwischen einem Schmugglerpärchen und einem jungen Soldaten in den March-Auen. Wie auch im Kultfilm „Der Überfall“ (2000) konzentriert sich die Handlung auf ganz wenige Drehorte und diesmal mehr auf knappe Dialoge der Hauptfiguren.

Routine und subtile Machtspiele in einer langjährigen Beziehung prägen den einsamen Alltag in einer abgeschiedenen Grenzregion. Die Hauptdarstellerin ist zerrissen. Auf der einen Seite steht das gewohnte Leben mit ihrem Partner, der seit Jahren illegal Menschen über die grüne Grenze von der Slowakei nach Österreich bringt, und den sie dabei unterstützt. Auf der anderen Seite träumt sie mit ihrem jugendlichen Liebhaber von einem Neubeginn in Wien.