Mozarts geheimnisumwitterte Totenmesse

Kultur / 04.11.2012 • 19:19 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ein Anziehungspunkt für das Publikum: Mozarts Totenmesse. Das wurde auch in Bildstein bewiesen.Foto: F. Jurmann
Ein Anziehungspunkt für das Publikum: Mozarts Totenmesse. Das wurde auch in Bildstein bewiesen.Foto: F. Jurmann

Das Mozart-Requiem in Bildstein wurde zu einem sehr berührenden Erlebnis.

Bildstein. Passender kann ein gläubiger Mensch einen Allerseelentag nicht beschließen als mit einer so tröstlichen Version des Mozart-Requiems, wie sie bereits zum vierten Mal in der Wallfahrtskirche geboten wurde. Dass die Aufführung im so intimen Ambiente mit einer Messe verbunden wurde, erzeugte eine unglaublich dichte Atmosphäre, der sich niemand in diesem Raum zu entziehen vermochte.

Anziehungspunkt

Mozarts geheimnisumwitterte Totenmesse ist bis heute ein Anziehungspunkt für das Publikum geblieben. Nicht zuletzt, weil man munkelt, der Komponist habe das Werk 1791 nicht für den unbekannten Auftraggeber, sondern eigentlich für sich selbst geschrieben, quasi im Angesicht des Todes.

Die Idee zu diesem Projekt an Allerseelen hat die in Bildstein wohnhafte Sängerin und Pädagogin Birgit Plankel von ihrer Studienzeit in Wien mitgebracht. Sie setzte 2009 zusammen mit Pfarrer Paul Burtscher und dem Verein „Kultur in Bildstein“ eine bis heute gültige Organisation in Gang. Domkapellmeister Benjamin Lack als Dirigent ist auch ein Mann der ersten Stunde, doch konnte heuer erstmals auch das komplette Barockorchester „Concerto Stella Matutina“ mit Konzertmeisterin Silvia Schweinberger zur Mitwirkung gewonnen werden. Das ergibt eine historisch informierte Aufführung mit aktiv mitgestaltenden Musikern, den warmen Glanz, aber auch die geschärfte Präsenz der alten Instrumente. Und bekommt dem Werk Mozarts ausgezeichnet, der sich ja gerade durch seine kontrapunktische Arbeit mit den packenden Chorfugen in diesem Werk deutlich mit dem Barock auseinandergesetzt hat.

Aber nicht nur in diesem Punkt unterscheidet sich dieses Projekt von den oftmaligen Aufführungen des Mozart-Requiems jeweils am Karfreitag in Altach und Lustenau durch den Dirigenten Manfred Honeck. Es ist in Bildstein auch die von Mozarts Schüler Franz Xaver Süssmayr ergänzte Fassung gegenüber dem unvollendeten Original bei Honeck – eine Glaubensfrage. Es ist aber vor allem auch die unterschiedliche Werkauffassung. Lack stellt in seiner beredten Art des Dirigierens weniger die dramatischen Stellen wie das „Dies irae“ („Tag des Zorns“) ins Zentrum, sondern den milden Trost im Lichte der künftigen Auferstehung („Lux aeterna“). Er hat größten Respekt vor Mozart, verwechselt das aber nicht mit Pathos. Alles sprudelt bei ihm frisch und lebendig wie aus einer Quelle.

Exzellenter Chor

Staunen macht vor allem die exzellente Qualität des 40-köpfigen Projektchores mit idealistisch gesinnten, meist professionell vorgebildeten Sängerinnen und Sängern aus dem Land, der ja einen Großteil des musikalischen Geschehens zu tragen hat. Was da in kurzer Zeit zu einer wunderbaren Einheit zusammengewachsen ist, sich in solcher Klarheit der Fugen, Geschlossenheit der choralartigen Teile, bestechender Sicherheit und Kraft äußert, verlangt größten Respekt. Nicht weniger kompetent agiert das ausgewählte Solistenquartett, angeführt natürlich von der lyrisch weichen, schön geführten So­pranstimme Birgit Plankels, die in ihren Solopassagen viel Wärme und Innigkeit vermittelt. Martina Gmeinder, Alt, besticht mit ihrem erlesenen Material, Tenor Raphael Höhn punktet mit strahlender Höhe, der Bass Matthias Haid stimmt gewaltig das düstere „Tuba mirum“ an und zeigt noble Qualitäten. Einhelliges Votum der vollbesetzten Kirche: Standing Ovations! Rudolf Zündels Baustein-Grafik zugunsten der Kirchenrenovierung findet anschließend regen Absatz.

Die Grafik von Rudolf Zündel ist zum Preis von 100 Euro im Pfarramt Bildstein erhältlich.