Swing-Revival mit viel Witz, Charme und Talent

Kultur / 04.11.2012 • 19:19 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ernteten am Wochenende im Festspielhaus kräftigen Applaus: Sasha, Rea Garvey und Xavier Naidoo. Fotos: VN/Steurer
Ernteten am Wochenende im Festspielhaus kräftigen Applaus: Sasha, Rea Garvey und Xavier Naidoo. Fotos: VN/Steurer

Mit „Alive & Swingin’“ begeisterten Ausnahmetalent Xavier Naidoo und Freunde Bregenz.

Bregenz. Man nehme drei bekannte Musiker, packe sie in Smoking und Lackschuhe. Dazu einen weiteren Promi in der selben Aufmachung – jedoch vielmehr in unterhaltender Funktion –, eine Big Band, einen protzig leuchtenden Schriftzug sowie eine Bar mit drehbaren Stühlen ganz im Stil der Sechziger. Das Ergebnis: Eine im gesamten deutschsprachigen Raum erfolgreiche Show, die da heißt „Alive & Swingin’“.

Ausverkauftes Haus

Vier Freunde – und das keine Geringeren als Xavier Naidoo, Rea Garvey, Sasha und Comedian Michael Mittermeier – haben sich zusammengetan, um dem legendären Rat Pack und der Swing-Ära Respekt zu zollen. Oder einfach nur gemeinsam Spaß zu haben. Am Samstag- und Sonntagabend sorgten die Musiker auch im Großen Saal des Festspielhauses für ausverkaufte Ränge, während sie versuchten, die Lokalität in Las Vegas zu verzaubern. Ob das gelang? Singen können die Herren, keine Frage. Immer wieder meldet sich die Gänsehaut – etwa, wenn Garvey „Hit the Road Jack“ oder die irische Ballade „Danny Boy“ solo zum Besten gibt. Musikalischer Höhepunkt ist aber wohl Naidoos fantastische Interpretation des Jackie-Wilson-Klassikers „Higher And Higher“. Auch der oft fälschlicherweise als „Weichspüler“-Sänger verpönte Sasha lässt aufhorchen. Unter anderem mit einer sehr individuellen Version des größten Hits seines Bühnenkollegen Rea, „Supergirl“.

Da wurde ausgeteilt

Und Mittermeier? Der führte souverän-witzig durch’s Programm. Richtig aufgewärmt gab er sich aber erst nach einer guten halben Stunde. Von da an hieß es für die Gesangstalente: Einstecken. Erbarmungslos teilte der baye­rische Entertainer aus und amüsierte sich etwa köstlich über die textliche Oberflächlichkeit der Hits seiner Freunde. Vielseitigkeit bewies Mittermeier bei einer Boyband-Parodie in seiner Rolle als Robbie Williams. Für Sasha fand er aber keine schmeichelnden Worte: „Das, was in deinem Gesicht ist, hat nix mit einer Boyband zu tun“, sagte er zum vollbärtigen Sänger. Humor bewiesen auch Naidoo, Garvey und Sasha. „Du hast ’ne schöne Stimme, aber ich hab’s einfach nicht gefühlt“, kommentierte etwa Naidoo Mittermeiers Gesangsversuch in Anspielung an seine Juroren-Rolle in „The Voice Of Germany“.

Überzogen wirkte nur die „Rollenverteilung“: Dem ehemaligen Mädchenschwarm und Balladensänger Sasha wurde etwa der Stempel des frauenverschlingenden Bad Boy aufgedrückt. Das Resümee der mehr als zwei Stunden dauernden Show ist aber ein überaus Positives: Vier sympathische, überdurchschnittlich talentierte Herren sorgten für einen ausgesprochen amüsanten und zugleich musikalisch hochwertigen Abend. Wenngleich Mittermeiers Comedy-Einlagen nicht im Kontext zur Swing-Ära standen, wirkte er nie fehl am Platz. Ganz im Gegenteil. Schade nur, dass solche Unterhaltungskapazunder das Land nur selten mit ihrer künstlerischen Qualität bereichern. Das Publikum dankte es den gutgelaunten Stars mehrfach mit Standing Ovations.

Publikumsliebling Mittermeier.
Publikumsliebling Mittermeier.