Ein Ritter im Kampf gegen die Atomkraft

Kultur / 05.11.2012 • 20:48 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Vallazza übermittelt in düsteren Szenarien auch Stimmungen wie Angst oder Einsamkeit. Fotos: A. Grabher
Vallazza übermittelt in düsteren Szenarien auch Stimmungen wie Angst oder Einsamkeit. Fotos: A. Grabher

Das Museum für Druckgrafik zeigt literarische Interpretationen von Markus Vallazza.

Rankweil. (VN-ag) Was würde Don Quijote heute machen? Er säße vor einem Computer, kämpft gegen Umweltverschmutzung und reitet nicht gegen Windmühlen, sondern gegen Atomkraftwerke an. Dieses Bild des „Ritters von der traurigen Gestalt“ zeichnet zumindest der Südtiroler Künstler Markus Vallazza.

Keine Bebilderung

Neben Armin Pramstaller und Herwig Zens, die bereits im Rankweiler Museum für Druckgrafik zu sehen waren, gilt der 1936 im Grödnertal geborene Vallazza, der auch in Wien gelebt hat, als einer der Meister der Schwarzweißradierung und als einer der großen Zeichner und Grafiker unserer Zeit. Im Mittelpunkt der Ausstellung in Rankweil steht die Auseinandersetzung Vallazzas, der selbst auch Schriftsteller und ein inspirierter Erzähler und Erfinder von Geschichten und Figuren ist, mit Miguel de Cervantes „Don Quijote“ und George Orwells „Farm der Tiere“.

Diesen literarischen Klassikern begegnet der Künstler aber nicht als Illustrator, der eine Vorlage einfach bebildert, sondern liefert in seinen Bilderzählungen vielmehr subjektive Kommentare und Assoziationen zum Gelesenen. Das wird besonders in den Blättern zu „Don Quijote“ deutlich, als einem Thema, das immer wieder gerne von Künstlern aufgegriffen und interpretiert wird, und auch schon öfter im Museum für Druckgrafik zu sehen war. Vallazza verlegt das Geschehen jedoch in die Jetztzeit, ersetzt die Ritterbücher durch neue Medien und lässt seinen Protagonisten als Globalisierungsgegner gegen Helikopter und Atommeiler auflaufen.

Scharfer Beobachter

Von hoher zeichnerischer Qualität, in meisterhaftem Hell-Dunkel, erzählerisch dicht, übermittelt Vallazza in düsteren Szenarien auch Stimmungen wie Angst oder Einsamkeit. Durch den Transfer des Klassikers ins 21. Jahrhundert wird das bislang aus historischer Distanz gesehene, tragisch-komische Geschehen der Vorlage plötzlich brandaktuell.

Vallazza erweist sich als scharfer Beobachter der Realität und versteht es wahrhaft grandios, die Zeitlosigkeit seines Mediums zu demonstrieren. Auch sein 2008 entstandener, jetzt erst in Rankweil gedruckter Zyklus „Assoziationen zu Orwells Farm der Tiere“, bringt ein traditionelles künstlerisches Ausdrucksmittel und eine aktuelle Interpretation zusammen. Dass sich die 24 kleinformatigen Radierungen in ihrem Detailreichtum fast wie ein Buch lesen lassen, zeugt auch von der narrativen Qualität dieses Werks.

Die Ausstellung ist im Museum für Druckgrafik, Hartmanngasse 15a, in Rankweil, bis 10. November geöffnet, Di und Do, 18 bis 20 Uhr,
Sa, 10 bis 12 Uhr.