Vakuumierte Kindheitsträume und lange Pinselstriche

Kultur / 05.11.2012 • 20:48 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
„Long Lines“ nennt Gerold Malin seine Eitempera-Gemälde.Fotos: A. Grabher
„Long Lines“ nennt Gerold Malin seine Eitempera-Gemälde.
Fotos: A. Grabher

Das Künstlerpaar Ruth Rhomberg-Malin und Gerold Malin stellt im Studio Drehpunkt aus.

Bregenz. (VN-ag) Seit längerer Zeit haben Ruth Rhomberg-Malin und Gerold Malin nicht mehr ausgestellt. Dass die beiden trotzdem nicht untätig waren, beweisen die neuen Arbeiten des Vorarlberger Künstlerpaares, die derzeit im Bregenzer Studio Drehpunkt zu sehen sind.

Farbe und Landschaft

„Long Lines“ nennt Gerold Malin (Jahrgang 1961) seine Eitempera-Gemälde. Die zumeist horizontalen Streifen, die jeweils einem Pinselstrich entsprechen, erzeugen Anmutungen von Landschaft und tatsächlich tragen die Bilder Spuren von Landschaften in sich. Denn seine Inspiration findet der Künstler auf Reisen nach Italien und Frankreich, wo er seine Farben entweder in der Natur sammelt oder als Pigment vor Ort kauft.

So schleicht sich der Ort in feinen Nuancen und Farbabstimmungen, in subtilen Harmonien, die von Reduktion und Rhythmus bestimmt sind, in die Werke. Der tatsächlichen Reise, als Aufbruch zum Neuen und als Rückkehr ins Vertraute, folgt die innere Reise des Künstlers im Bildentstehungsprozess, im heimischen Atelier. Die schlägt sich auch in rasterartigen Bildkompositionen nieder, wo es um Verdichtung und Nebeneinander geht. Leise, zwar mit breitem Pinsel und der leichten Unregelmässigkeit des Manuellen, aber nicht mit großer Kelle angerichtet, erschließen sich im Davor und Dahinter Räume und Landschaften.

Räumlich getrennt, wie sie auch künstlerisch arbeiten, zeigt Ruth Rhomberg-Malin (Jahrgang 1959) ihre „Short Stories“, die sie auch als „Luftraus-Objekte“ bezeichnet.

Klinisch konserviert

Eingetütet in Plastiksäcke, in Kartonboxen präsentiert, sind es gesammelte, nicht mehr gebrauchte Dinge aus der Kinderwelt, sprich Spielzeug. Ein roter Ferrari, ein Handy, Puppen und Stofftiere, eine Uhr, Puppenkleider, Kleinzeugs, Begehrlichkeiten, die sich von jenen der Erwachsenen zuweilen nur durch ihre Größe unterscheiden. Allem wird die Luft entzogen, alles wird vakuumverpackt, fast klinisch konserviert und archiviert.

Sind es Erinnerungen ohne Ablaufdatum, verloren gegangene Kinderträume oder haben wir schlicht keine Zeit und Gelegenheit mehr zum Spielen? Ruth Rhomberg-Malins Arbeiten lassen alle möglichen Assoziationen zu.

Vakuumierte Kindheitsträume präsentiert Ruth Rhomberg-Malin.
Vakuumierte Kindheitsträume präsentiert Ruth Rhomberg-Malin.

Die Ausstellung ist im Studio Drehpunkt, Mariahilfstraße 29, in Bregenz, bis 23. November geöffnet, Mo bis Fr, 8 bis 12 und 14 bis 17 Uhr.