Zwischen Gregorianik und Moderne

Kultur / 05.11.2012 • 20:48 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Organist Matthias Giesen bewies in Dornbirn höchste Virtuosität und überragende Gestaltungskraft. Foto: F. Jurmann
Organist Matthias Giesen bewies in Dornbirn höchste Virtuosität und überragende Gestaltungskraft. Foto: F. Jurmann

Schola Floriana und Organist Matthias Giesen boten meditative Besinnung.

Dornbirn. (VN-ju) Weit über eintausend Jahre liegen zwischen Gregorianischen Chorälen und französischer Orgelmusik des 20. Jahrhunderts. Eine unmittelbare Konfrontation beider Bereiche ergibt so faszinierend meditative Spannungsfelder, wie sie in der Pfarrkirche St. Martin mit der Schola Floriana und dem Organisten Matthias Giesen zu erleben waren. Kurator Rudolf Berchtel hat damit seinem diesjährigen dreiteiligen Orgelfestival einen beachtlichen Schlusspunkt beschert.

Die zehnköpfige Männerschola aus der Stiftskirche St. Florian hat sich vor allem die Pflege des auf das fünfte Jahrhundert zurückreichenden Gregorianischen Chorals zu eigen gemacht – sie singen die lateinischen Choräle dieses Programms mit ebensolcher Gläubigkeit aus einem gemeinsamen Geist, innig und schnörkellos einfach. Ihr regens chori ist eigentlich der Deutsche Matthias Giesen, der aber hier durch seine Zweitfunktion als Organist auf der Empore verpflichtet ist. So übernimmt Rudolf Berchtel im Altarraum die Leitung der Schola. Das funktioniert auch beeindruckend. Seine Meisterschaft an der Behmann-Orgel von 1927 demonstriert Matthias Giesen mit der Suite op. 5 (1932) von Maurice Duruflé, einem 25-minütigen Schlüsselwerk symphonischer Orgelmusik zwischen Impressionismus, Spätromantik und Gregorianik.