Schlangen haben keine Ohren

Kultur / 06.11.2012 • 22:34 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Tonangebend: Arbeiten von Dorothea Schulz. Foto: A. Grabher
Tonangebend: Arbeiten von Dorothea Schulz. Foto: A. Grabher

Palais Liechtenstein zeigt Hörzeichnungen von Schulz und Fotografien von Wormbs.

Feldkirch. (VN-ag) Freunde gehen zusammen durch dick und dünn, Künstlerfreunde gehen zusammen durch „Himmel und Hölle“. Zumindest was Dorothea Schulz und Valentin Wormbs und Palais Liechtenstein angeht.

Eindeutig tonangebend sind die Arbeiten von Dorothea Schulz, die in diesem Sommer während eines ­Artist-in-Residence-Projekts in Schwarzenberg gearbeitet hat und derzeit auch in der Schreinerei im Hirschen ausstellt. Geboren 1962 in Karlsruhe, in Berlin lebend, zeigt die notorische Zeichnerin in Feldkirch eine Retrospektive ihrer „Hörzeichnungen“. Denn seit einem Aufenthalt in Frankreich im Jahr 2000 hält Dorothea Schulz zeichnerisch fest, was sie in Gesprächen und beim anonymen Zuhören im Café, beim Einkaufen oder im Schwimmbad aufschnappt. Diese auditiven Reize münden in eigenwillige Text-Werke, figürlich oder abstrakt, fein gezeichnet und mit wenigen Linien umrissen, in denen sich Bild und Wortfragmente, befreit aus den Sprechblasen des Comics, verschränken. Humoriges und Doppeldeutiges wie „Schlangen haben keine Ohren“ steht da beispielsweise, aber auch Notate aus dem Alltag, Gesprächsfetzen und Tiefgründig-Poetisches kann man lesen und ist vor diesen Blättern angehalten, Augen und Ohren gleichermaßen offen zu halten. Eine eigene Werkgruppe, neben den Hörzeichnungen und den etwas älteren Arbeiten, bilden die großformatigen „Siebenjahresflusen“. Ähnlich wie die Staubflusen, die in einer Zimmerecke oder unter dem Schrank wachsen, hält die Künstlerin unendlich filigrane, in der Vergrößerung fast ins Beängstigende wuchernde Strukturen mit einem speziellen Tuschestift, dem Rapidograf, über Tage, Wochen und Monate fest.

Zeitlich, grafisch

Etwas von dieser zeitlichen Dimension und vor allem die starke grafische Komponente verbindet das Werk von Dorothea Schulz und Valentin Wormbs. Der 1960 geborene Künstler, Grafiker und Fotodesigner ist Professor an der Hochschule in Konstanz und ein langjähriger künstlerischer Weggefährte von Schulz. Valentin Wormbs zeigt analog entstandene, zumeist schwarz-weiße Foto­arbeiten seit den späten 1980er-Jahren, darunter Porträts von sich und Dorothea Schulz, aber auch Ausschnitte aus der ständig erweiterten Serie „Scheiben“, wie einen ins Überdimensionale vergrößerten „Druckknopf“ oder ein faltig-zerknittertes „Kopfkissen“ mit Gebrauchsspuren. Ein Hingucker ist die 36-teilige Wandarbeit „Paraffinalia“ – ein Arrangement aus abbrennenden Mini­kerzen, vom Teddy bis zum Golfball, deren Erscheinung durch die spezielle Behandlung der Negative verfremdet wurde.

Geöffnet im Palais Liechtenstein in Feldkirch (Schlossergasse 8) bis 25. November, Mi bis Fr, 16 bis 19 Uhr, Sa und So, 10 bis 13 Uhr