Taxifahren kann gefährlich sein

Kultur / 16.11.2012 • 19:40 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Manchmal sind Bücher ein wenig wie Kochrezepte. Der Vorteil daran: Es kann nichts schiefgehen.

Romane. Als Beispiel sei hier Iain Levison erwähnt, der mit seinem Krimi „Hoffnung ist Gift“ einen Taxifahrer-Roman geschrieben hat, der so schlecht nicht ist und ein verregnetes Wochenende schon noch auf Vordermann bringen kann. Um was geht es?

Jeff Stutton ist Taxifahrer in Dallas und begeht einen verhängnisvollen Fehler. Er wird von einer gut situierten Dame mit in ihr Haus gelassen, da sie nicht genug Geld mit hat. Blöderweise war Jeff einmal Fenstermonteur und hat die Angewohnheit die Fensterrahmen anzugreifen, wenn er warten muss. Blöderweise macht er das im Kinderzimmer der Dame und blöderweise wird das Kind gekidnappt. Die Kette an Missgeschicken ließe sich noch fortsetzen, aber ums kurz zu machen: Jeff kommt in Untersuchungshaft und steht unter dringendem Verdacht, das Kind entführt zu haben. Hinzu kommt, dass die Polizei nicht sauber arbeitet, und der mediale Druck auch da ist. Jeff soll geopfert werden, aber es passiert dann doch ganz anders, sonst wäre es kein Krimi. Geschrieben ist das Buch eher durchschnittlich, dafür hat der Autor ein gutes Gespür, wie er die Geschichte lenken kann. Also, den Stephen-King-Kurs über das Erzeugen von Spannung hat er mit Auszeichnung bestanden, wenn Levison jetzt noch den Storytelling-Kurs bei Kollegen Stewart O’Nann besucht, wird man mit dem Autor tatsächlich rechnen können.

Ein DNA-Krimi auf Abwegen

Eine die diese Kurse bereits besucht hat, ist Susanne Staun. Tatsächlich studierte sie Journalismus und Literatur. Das Fach „Mörderische Literatur“ scheint ihr am besten gefallen zu haben. Dementsprechend heißt ihr erster Thriller „Totenzimmer“ und das aufgeschlitzte Cover passt sehr gut dazu. In dem Thriller rund um die Gerichtsmedizinerin Maria Krause geht es im Prinzip um sexuelle Obsessionen. Wer hier also einen herkömmlichen DNA-Krimi vermutet, wird enttäuscht sein. Kurz zum Plot: Nach einem sexuell abartigen Serienkiller wird im letzten Zipfel von Dänemark gesucht. Dass der Täter Tagebuchschreiber ist, erspart dem Autor zumindest die große Analyse. Außerdem beginnt er eine Parallelgeschichte zu erzählen, denn wer sagt schon, dass es nur einen Mörder gibt? Die Lepra-Geschichte hätte es eigentlich nicht gebraucht, aber in Zeiten der Einzigartigkeit lasse ich mir das noch einreden. Schade ist, dass sich die Autorin teilweise einer belanglosen Geschwätzigkeit bedient. Es interessiert mich nicht zwingend, welche Musik ihr Hauptcharakter beim Aufwachen hört oder dass er in hellen Nächten nicht schlafen kann, sofern dies nicht inhaltlich relevant ist. Das wären rund 50 Seiten weniger, bei einem 330 Seiten starkem Buch wäre eine Strichfassung schon machbar gewesen. Trotzdem: Jetzt mit so einer eigenwilligen Heldin wie Maria Krause zu kommen, ist schon mutig, da ja die DNA-Krimis stark am Abflauen sind.