Auf schwankendem Boden

Kultur / 25.11.2012 • 21:37 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Andreas Kosek und Katharina Grabher in „Montevideo“. Foto: VN/Dietrich
Andreas Kosek und Katharina Grabher in „Montevideo“. Foto: VN/Dietrich

„Montevideo“ des Serben Dragan Velikic wurde im Kulturbahnhof uraufgeführt.

Christa Dietrich

Andelsbuch. Dragan Velikic (geb. 1953) ist in Österreich als einstiger serbischer Botschafter und mit Romanen wie „Das russische Fenster“ oder „Via Pula“ bekannt geworden. Dass Serbien 2011 Schwerpunktland auf der Leipziger Buchmesse war, hat zu weiterer Auseinandersetzung mit den Texten des Diplomaten und Schriftstellers geführt. Wüsste man nicht, dass sich das Teatro Caprile, geleitet von der Vorarlbergerin Katharina Grabher und dem Wiener Andreas Kosek (die jeweils auch die Regie- und Schauspiel-Rollen übernehmen), seit Jahren auf Schriftsteller aus Osteuropa bzw. dem Balkan konzentriert, würde die Tatsache, dass sein Stück „Montevideo“ ausgerechnet von einer Kleinstbühne umgesetzt wird, exotisch anmuten.

Unentschlossenheit

Den Dialog eines Paares auf einer Schiffsreise nach Montevideo, also auf mitunter schwankendem Boden, in der aufgelassenen Wälderbähnlestation anzusiedeln, hat allerdings etwas und die Uraufführung im Kulturbahnhof Andelsbuch ist auch auf die Programmgestaltung der Obfrau Margret Broger zurückzuführen, deren Engagement im Bregenzerwald an sich damit gewürdigt gehört, dass auch bei derlei Abenden der Saal voll ist. Der kleine Kreis, in dem sich Velikic am Samstag befand, erwies sich immerhin als einer von Literaturinteressierten, die die Darbietung goutierten.

Nach Montevideo, der Hauptstadt von Uruguay, verstellt zu werden, ist in einer diplomatischen Karriere nicht unbedingt als Aufstieg zu werten. Jovan übertüncht den Umstand nicht nur mit viel Alkohol, er scheitert auch im Gespräch mit seiner Partnerin Ksenija mehr oder weniger beim Versuch, sich entsprechend Gehör zu verschaffen. Die Tatsache, sich auf dem politischen Parkett nicht zielgerichtet oder am dafür günstigsten Zeitpunkt entschieden zu haben, korrespondiert mit einer gewissen Unentschlossenheit im Privatleben. Vor dem Abdriften ins Banale schützt sich Velikic mit sprachlicher Versiertheit und Zitierfreude. Von dieser profitiert Ksenija, deren Diven-Vergangenheit so absolut nichts Interessantes enthält, dass man froh ist, in der dramaturgisch langweiligen Bühnenfigur zumindest eine belesene zu entdecken. Sollte das Stück im Original politisch noch reichhaltiger sein, kommt dies weder in der Übersetzung von Mascha Dabic noch im Deklamier-Stil-Spiel von Kosek und Grabher zum Ausdruck. ##Christa Dietrich-Rudas##

Nächste Aufführungen des Stückes: 26. November, 20 Uhr, Theater am Kornmarkt, Bregenz; 28. November, 20 Uhr, Remise Bludenz