Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Singen in und über Vorarlberg

Kultur / 27.11.2012 • 21:31 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Der Chorverband Vorarlberg feiert in diesem Jahr sein 150-Jahr-Jubiläum. So war es relativ leicht möglich, sich über die Vielfalt des Singens in diesem Land ein Bild zu machen, im Detail ebenso wie im Ganzen. Vor allem konnte man die Begeisterung erkennen, mit der Tausende Sängerinnen und Sänger bei ihrer Sache sind. Immerhin ist es dazu erforderlich, dass man jede Woche einmal zur Probe geht, mindestens einmal, vor Auftritten kann das dann aber auch intensiv werden. Dass der einzige Lohn der Arbeit die – allerdings oft große – Freude am Ergebnis ist, versteht sich von selbst. Die vielen Chöre und ihr Programm sind aber auch eines: Spiegelbild der Kultur, wohl auch der Gesellschaft dieses Landes.

Der Spielbodenchor Dornbirn hat in seinem jüngsten Programm „Wie im Himmel so in Vorarlberg“ – mit dem Zusatz: „Ein Blick über das Land“ – den Spieß umgedreht. Er zeigt dem Publikum, was so alles mit den Menschen in diesem Land verquer läuft.

Dabei kommen die verschiedenen, nicht immer sehr freundlichen Anmerkungen über die Gewohnheiten der Leute hierzulande von den Bewohnern selbst. In Umfragen wurden nämlich auf der Straße Meinungen eingeholt, die von der Autorin des Abends, Daniela Egger (die hier auch zum ersten Mal Regie führte), in Textzeilen analog des „Vater unser“ gebracht wurden. Eine mühselige Arbeit, die fast nicht gelingen kann. Und so ist denn auch der Textbereich die Schwachstelle des Abends, die von der Regie aber wieder ausgeglichen wurde. Mit viel Bewegung, Veränderung, Überraschung, Inszenierung auch des Publikums wurde der Abend äußerst schwungvoll über die Bühne gebracht.

Ich meine, dass man dem Spielbodenchor diesmal auch erstaunliche musikalische Qualität attestieren darf, denn einfach war dieser Abend für die Sängerinnen und Sänger sicher nicht. Typisch für diesen Chor, dass auch Rap und Break Dance aus dem Bregenzer Westend eingebaut wurden – nicht nur eine zündende künstlerische, sondern auch eine ebensolche Integrationsidee. Dass im ganzen Programm Vorarlberger Komponisten ihren Platz finden, überrascht am Spielboden nicht mehr – ist aber trotzdem hoch erfreulich. Eines hat der Spielbodenchor mit seiner Leiterin Bettina Rein erneut bewiesen: Er ist vielleicht nicht der beste, aber sicher der innovativste Chor im Land.

walter.fink@vn.vol.at
Die Meinung des Gastkommentators muss nicht mit jener in der Redaktion übereinstimmen.