Baumstarke Arbeiten starker Künstlerinnen

Kultur / 28.11.2012 • 21:35 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Arbeit von Mariella Scherling-Elia. Foto: A. Grabher
Arbeit von Mariella Scherling-Elia. Foto: A. Grabher

Die Galerie QuadrART präsentiert Mariella Scherling-Elia, Kirsten Helfrich sowie Emilia und Ilya Kabakov.

Dornbirn. „Einen alten Baum verpflanzt man nicht“ – diese Redensart kommt einem unweigerlich in den Sinn in der Ausstellung „Selbstportrait“ im QuadrART Dornbirn. Darin stellt Winfried Nussbaummüller als Kurator einer Installationsskizze von Emilia und Ilya Kabakov zwei „baumstarke“ Werke von Mariella Scherling-Elia und Kirsten Helfrich zur Seite.

Ausgangspunkt sind Fragen nach Herkunft, Identität und Veränderung. Während bei Kabakovs das Motiv der allgegenwärtigen Fliege so etwas wie eine Ikone ihrer Heimat, der ehemaligen Sowjetunion, darstellt, wartet Kirsten Helfrich (geboren in Weingarten, lebt in Bregenz) mit einer ungleich persönlicheren Intervention auf. Zwei kleine Fotos und ein Ahornbäumchen werden durch Videos ergänzt, die den Weg des Bäumchens dokumentieren: vom Grab der Mutter der Künstlerin, wo der Schlitzahorn vor über zehn Jahren gepflanzt wurde, über ein Ausstellungsprojekt nach München, wo der Baum lange Jahre unberührt, und fast ohne zu wachsen, verharrte, in die Ausstellung nach Dornbirn und schließlich nach Ausstellungsende wieder zurück ans Grab, als „Baum des Lebens“ und als „Wächter“.

Fremd und entwurzelt

Ungleich mächtiger wirkt dagegen der Olivenbaum, den Mariella Scherling-Elia von Kalabrien, nahe dem Ort, an dem sie ihre Jugend verbracht hat, ins QuadrART bringen ließ. Wie der rund 70 Jahre alte Olivenbaum so im Galerieraum liegt, wird er zum existenziellen Projekt der Künstlerin und zur eindringlichen Metapher fürs Fremdsein. Das hat Mariella Scherling-Elia auch erlebt, als sie als junge Frau vor über 50 Jahren nach Vorarlberg gekommen ist. Wie der Baum ein Bild fürs Wachsen (und Vergehen) ist, für den Austausch, so hat auch die Künstlerin, deren Werk immer wieder um die Frage nach dem Selbst kreist, hier mittlerweile Wurzeln geschlagen. Und wünscht sich dasselbe für den Olivenbaum, dessen Reise filmisch dokumentiert wurde und für den sie nun in Hohenems, nach einem Platz sucht. Wesentlich ergänzt wird der Olivenbaum durch Projektskizzen und Texte. „Der Olivenbaum meiner Kindheit ist ein Wesen voller Schönheit. Sein Stamm ist stark, seine Form ist gewunden, seine Arme streben dem Himmel entgegen, seine Haut ist ein Relief mit verschiedenen Formen und Farben, ist hart und weich zugleich – man kann sie streicheln“, schreibt die Künstlerin und lässt den doch ein wenig traurig anmutenden Baum damit erstrahlen.

Zu sehen bis Ende November (Videos bis 3. Februar) im QuadrART in Dornbirn, Do und Fr, 17 bis 19 Uhr, Sa, 16 bis 18 Uhr