Finnischer Charme im Conrad Sohm

Kultur / 29.11.2012 • 21:45 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
„In The Shadows“, „Sail Away“, „Funeral Song“ und „No Fear“ – kein Hit wurde ausgelassen. Fotos: VN/Steurer
„In The Shadows“, „Sail Away“, „Funeral Song“ und „No Fear“ – kein Hit wurde ausgelassen. Fotos: VN/Steurer

„The Rasmus“ spielte in Dornbirn auf – und überraschte den einen oder anderen Besucher.

Dornbirn. (VN-sas) Die Zeit der großen Chart-Erfolge mag vorbei sein, aber weder Fans noch Band schien das am späten Mittwochabend im Conrad Sohm zu stören. Denn irgendwie wirkte es im „spooky place“, wie die Finnen den Dornbirner Prachtclub nannten, als sei man ins Jahr 2003 zurückkatapultiert worden. In das Jahr, in dem der „The Rasmus“-Song „In The Shadows“ in sämtlichen europäischen Radiostationen rauf und runter gespielt wurde. Denn: Ja, die Federn im Haar von Sänger Lauri Ylönen (33) sind geblieben, mittlerweile sind es sogar drei an der Zahl. Auch die geschminkten Augen und – die Fans mögen entschuldigen – das Puppengesicht des sympathischen Frontmanns.

Trotzdem kam, zumindest für alle Nicht-Fans, die eine oder andere Überraschung zutage. Das Gros der Fans ist wider Erwarten nicht jugendlich, sondern männlich und Mitte bis Ende dreißig. Lauris Stimme wäre eigentlich prädestiniert für Schmusesongs, obwohl das zu seiner Optik so rein gar nicht passt. Und: Die Finnen sind richtig charmant, scheinen sich aber schwer zu tun, sich auf eine Musikrichtung festzulegen.

In Boygroup-Manier

Die Musiker stürmen die Bühne der alles andere als ausverkauften Location und lassen sich trotzdem keine Enttäuschung anmerken. Und den Fans wird mehr als eineinhalb Stunden das serviert, was sie erwarten. Nämlich eine Handvoll bekannter Songs, die auch „Laien“ mitsummen können, und natür­lich eine bunte Auswahl des mittlerweile acht Alben umfassenden Musikrepertoires. Zwischendurch immer wieder Interaktion mit dem Publikum, etwa mit sympathischen Wortwitzen. Und dann – nach einer kurzen Pause – tauscht der Drummer sein Schlagzeug gegen ein Mikrofon ein, Lauri schnappt sich eine Akustikgitarre, die vier Musiker setzen sich ganz in Boygroup-Manier nebeneinander und musizieren fortan auf gemütlichen Sesseln. Spätestens da kommt das eine oder andere Fragezeichen auf. Denn da fühlt man sich glatt auf ein „Backstreet Boys“-Konzert gebeamt. Schmusesongs werden zum Besten gegeben. Das sorgt anfangs für Verwirrung, doch es funktioniert. Lauri hat die Stimme dazu, Kuschelsongs scheinen der gesamten Combo wie auf den Leib geschneidert.

Rocker oder doch Softie?

Für weitere Irritation sorgen anschließend verhältnismäßig harte Rocksongs, dann zwei Lieder mit Dance-Elementen. Zu viel des Guten, denkt sich Besucher da. Denn was nun? Rocker oder doch Softie? Auf eine Antwort wartet man bis zum Schluss vergeblich. Oder ist es vielleicht genau das, was die Band ausmacht? Das muss jeder für sich beantworten. Richtig Stimmung kommt jedenfalls erst bei der Zugabe auf. „In The Shadows“, klar. Da wird gesprungen, gesungen, Videos und Fotos aufgenommen. Leider etwas zu spät. Nach der zweiten Zugabe, „Sail Away“, danken die durchgeschwitzten Musiker artig dem Publikum. Und kehren zurück zum Tourbus „auf der anderen Seite des Flusses“, um möglicherweise erneut in der Ach zu baden. Am Nachmittag haben sie das laut Erzählungen ja bereits gemacht. Richtige Männer halt. ##Sabrina Stauber##

Goldkehlchen Lauri stellte sein Gesangstalent unter Beweis.
Goldkehlchen Lauri stellte sein Gesangstalent unter Beweis.