Da muss das wirkliche Leben doch blass vor Neid werden

Kultur / 30.11.2012 • 20:02 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Bei Tone Fink läuft’s wieder einmal rund – etwa mit diesen „Hockthronobjekten“. Fotos: A. Grabher
Bei Tone Fink läuft’s wieder einmal rund – etwa mit diesen „Hockthronobjekten“. Fotos: A. Grabher

Im Künstlerhaus sind neue Arbeiten der Vorarlberger Künstler Tone Fink und Viktor Platonow zu sehen.

Bregenz. (VN-ag) Mit Tone Fink und Viktor Platonow sind im Künstlerhaus Ausstellungen von zwei bekannten Vorarlberger Kunstschaffenden zu sehen, deren Werk auf den ersten Blick nicht unterschiedlicher sein könnte. Mit „Papierarbeiten“ und „Kreuz und Kreuzigung“ trifft Leichtigkeit auf symbolhafte Schwere.

Fahren, Sitzen, Schauen

Ein filigranes Gefährt namens „Giacomettis Servierwagen“, robuste Zahnräder und ein Karren für seinen Enkel Louis – bei Tone Fink läuft es wieder einmal rund und alles ist mobil. Das gilt auch für die annähernd 70 liegend präsentierten „Hockthronobjekte“ aus Pappmaché, die der Künstler wie ein großes, ornamentales Labyrinth im Dachgeschoß auslegt und die nur darauf zu warten scheinen, vom Besucher hochgestellt und performativ genutzt zu werden.

Nach so viel Action entspannt man sich am besten in der Blackbox, wo es unter anderem mit dem Zeichentrickfilm „vers.augt“ zur Sache geht. Bei den Zeichnungen aus vier Jahrzehnten habe er „nicht die schlechtesten“ ausgewählt, verrät Tone Fink, und einmal mehr stürzt sich das Auge lustvoll ins gestrichelte Wirrwarr, in ein grandios skurriles Märchen-Universum, sinnlich-leiblich-erotisch, ruppig-struppig, tierisch und allzu menschlich, und zuweilen so voller Witz und Absurdität, dass das wirkliche Leben blass vor Neid werden könnte.

Da tummeln sich eine „kleine Prinzin“, Kasperl wagt einen furiosen Ritt oder man wird einer „Hinterteilverbrühung (s’füdla varbrennt)“ ansichtig. Fast meditativ, noch verstärkt durch den Ausblick in den winterlichen Park, wirken dagegen die vier „nagelnüen“ 3,5 mal 1,5 Meter großen, weißen Arbeiten. Die Spuren, die Tone Fink durch vehementes Drangsalieren der Oberfläche, durch Kratzen, Reißen, Lochen und Kleben hinterlassen hat, zeugen von Körpereinsatz, aber auch von absoluter Reduktion. Kein Überschwang, keine Sprüche, stattdessen Struktur pur, und manchmal ein Hauch Tabak-Tee-Tinktur, die rückseitig durchschimmert.

Symbolisch

Waren es zunächst vor allem politische Themen, mit denen sich der 1936 in Moskau geborene, seit über dreißig Jahren in Vorarlberg lebende Maler und Bildhauer Viktor Platonow beschäftigt hat, so ist seit längerer Zeit das Kreuz zur wichtigsten Konzeption geworden. Als Symbol, das weit in die Kulturgeschichte der Menschheit zurückreicht, als religiöses Zeichen, aber auch als zeitgenössische Metapher für den Menschen, das Leid, die Ewigkeit und die Verbindung zwischen Himmel und Erde verknüpft der Künstler seine Bildfindungen mit Musik seiner russischen Lieblingskomponistin bzw. Lyrik seines Lieblingsdichters.

So sind in den vergangenen Jahren stark farbige, leuchtende Gemälde entstanden, die nun erstmals als komplette Serien und unter einem thematischen Aspekt zu sehen sind. Formal dem abstrakt-symbolischen Expressionismus zuzuordnen und tief verwurzelt in der russischen Avantgarde des beginnenden 20. Jahrhunderts, gelingt es Viktor Platonow deren strenge Geometrie durch Zeichen und Texte zu durchbrechen und seinen Werken eine menschliche Dimension und etwas ungleich Lebendigeres einzuhauchen.

Stark farbige Gemälde gibt es von Viktor Platonow zu sehen.
Stark farbige Gemälde gibt es von Viktor Platonow zu sehen.

Die Ausstellung ist im Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis (Gallusstraße 10 in Bregenz) noch bis 6. Jänner geöffnet. Öffnungszeiten: Di bis Sa von 14 bis 18 Uhr, So und Feiertag jeweils von 10 bis 12 sowie von 14 bis 18 Uhr.