Hier parkt nun die Kunst

Kultur / 30.11.2012 • 19:38 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Mobile Heimeligkeit will das in Wien lebende Künstlerpaar mit dem Projekt darstellen. Foto: A. Grabher
Mobile Heimeligkeit will das in Wien lebende Künstlerpaar mit dem Projekt darstellen. Foto: A. Grabher

Die Zentralkunstgarage eröffnet mit Arbeiten von Liddy Scheffknecht und Armin B. Wagner.

Lustenau. (VN-ag) Wo früher einmal drei Autos parkten, da ist nun Raum für die Kunst. „Zentralkunstgarage“ prangt es weithin sichtbar, unweit des blauen Platzes und direkt an das Lokal „Freigeist“ angeschlossen, über einer großen, neuen Schaufensterfront. Eröffnet wird der Kunstgaragenbetrieb des Lustenauer Künstlers und Kunstliebhabers David Scheffknecht mit der Ausstellung „/TILT/“ von Liddy Scheffknecht und Armin B. Wagner.

Schieflagen

Vom Konzept her irgendwo zwischen Kunstraum, Galerie und open space angesiedelt, zeigt gleich die erste Ausstellung die Möglichkeiten des Orts auf. Den roh belassenen Garagenraum verwandeln Liddy Scheffknecht (geboren 1980 in Dornbirn) und Armin B. Wagner (geboren 1979 in Wien) vorübergehend in so etwas wie eine gute Stube. Kernstück der Schau ist eine zusammen- und ausklappbare Eckbank samt Tisch aus Karton und Klebeband, in der Technik von Pop-up-Büchern. Mit einem Pop-up-Schreibtisch hat das in Wien lebende und arbeitende Künstlerpaar bereits 2009 international für Furore gesorgt und es bis aufs Titelblatt einer großen indischen Tageszeitung geschafft.

Für Lustenau musste dagegen eine Eckbank her, als ein traditionelles, meist massives Möbelstück, das – einmal im Haus eingebaut – seinen Platz im Wohnraum nicht mehr aufgibt: „Der Aspekt der mobilen Heimeligkeit hat uns bei diesem gemeinsamen Projekt interessiert. Und das nach Außen, in die Öffentlichkeit, gekehrte Private, wenn wir die Eckbank fast auf dem blauen Platz aufstellen“, sagt Liddy Scheffknecht. Schön im Video anzusehen ist es, wenn das Objekt auseinander und dann wieder zusammen gefaltet wird und von der Zwei- in die Dreidimensionalität und wieder zurück kippt. Auf die „Infragestellung gewohnter Ansichten“, auf die „produktiven Schieflagen“, bezieht sich auch der Ausstellungstitel „/TILT/“, der so viel wie schräg stellen oder kippen meint, und den man sowohl aus dem Spiel am Flipperautomaten, vom Pokerspiel als auch aus dem fotografischen Bereich kennt.

Illusionen

Neben der Gemeinschaftsarbeit „Pop Up (Eckbank)“ im ebenerdigen, 24 Stunden pro Tag von draußen einsichtigen Raum, zeigen die Künstler im Raum darüber, der mit seinem Parkettboden und dem Wandanstrich einem kleinen grünen Salon gleicht, Einzelarbeiten. Liddy Scheffknecht verknüpft in der kleinformatigen Fotografie „Reading Woman“ ein Motiv aus der Kunstgeschichte mit der Volksmär vom verlorenen Schatten, während der großformatige Pigmentdruck „Oculus“ mit natürlichem und künstlichem Licht spielt und diesbezüglich Illusionen erweckt und wörtlich hinters Licht führt. Veraltete 3D-Techniken bilden dagegen den Ausgangspunkt für die Videoprojektion „Double 3D“ von Armin B. Wagner. Mittels 3D-Brillen, deren rot-grüne Gläser in zwei monochrome Brillenpaare zurückgeführt wurden, lassen sich Bewegung und Tiefe in einer wie im Videogame vorbeiziehenden Berglandschaft zweimal anders, neu erleben.

Die Ausstellung wird am heutigen Samstag, 1. Dezember, um 19 Uhr in der Zentralkunstgarage, Raiffeisenstraße 4z, in Lustenau eröffnet. Geöffnet bis 2. Februar 2013. Do, Fr, und Sa von 18 bis 20 Uhr.