Ein großes Katzen-Bären-Hexen-Fest

Kultur / 02.12.2012 • 21:54 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Emanuel Fellmer und Laura Louise Garde in „Die verzauberten Brüder“: Der tierische Spaß auf der Bühne übertrug sich ungebremst auf das Publikum. Foto: VN/Paulitsch
Emanuel Fellmer und Laura Louise Garde in „Die verzauberten Brüder“: Der tierische Spaß auf der Bühne übertrug sich ungebremst auf das Publikum. Foto: VN/Paulitsch

Landestheater tanzt sich mit den „Verzauberten Brüdern“ in die Weihnachtszeit.

Christa Dietrich

Bregenz. Will man dem poetischen Märchen „Die verzauberten Brüder“ von Jewgeni Schwarz wirklich gerecht werden, wäre der einfache Weg keine Lösung. Man hätte mit plakativer Nachzeichnung der Eigenschaften, für die die jeweiligen Tierfiguren und schließlich auch die Hexe stehen, zwar die Erwachsenen berührt und die Kinder vergnügt – aber das kann es noch nicht sein.

Dass die Geschichte von einer Mutter, deren Söhne in Bäume verwandelt wurden, mehr psychologischen Gehalt aufweist als aktionsreiche Handlung, hat Regisseur Hannan Ishay und Ausstatterin Susanne Cholet wohl dazu bewogen, dem Ganzen eine Choreographie angedeihen zu lassen, die vor allem eines braucht – nämlich sehr gute Musik. Die Herstellung der Melodien, Töne und Geräusche, mit denen Kindertheater untermalt wird, auf der Bühne sichtbar zu machen, ist grundsätzlich nichts Neues, wenn man es so beherrscht wie Ernst Reiner, dann geht die einfache Idee jedoch auf.

Als erwachsener Besucher der gestrigen Premiere am Vorarlberger Landestheater war man jedenfalls in guter Gesellschaft, wenn einem die finale Auflösung des Rätsels und die damit einhergehende Rückverwandlung der Bäume in Menschen gar nicht so wichtig war. Die Art, wie die Musik, erzeugt auf Akkordeon und allerlei Perskussionsinstrumenten, mit der Handlung verflochten wird, ist grandios, spannungsreich und bereitet enormen Spaß.

Bestens geeicht

Das Ensemble ist für ein derartiges Konzept insgesamt bestens geeicht. Lediglich Laura Louise Garde, die man an sich als Interpretin mit entsprechendem Temperament kennt, kann beim Gesang nicht auf derselben Ebene mithalten, womit die Mutter Wassilissa etwas zu blass daherkommt. Zugegeben, neben Wolfgang Pevestorf hat es jeder schwer. Der lieferte eine Hexe Babajaga, deren Bild sich das Theater am besten gleich für den nächsten Almanach reserviert. Hier verdichtet sich eine Fülle von Eigenschaften – von Trotz bis Eitelkeit, von Selbstverliebtheit bis Unsicherheit und Starrsinn – zu einem wunderbaren, recht dominanten, aber niemals zu plakativen Bild. Vom zornigen, nervenden Kind, bis zum unbeugsamen Erwachsenen, der nicht nur lästig ist, sondern durchaus gefährlich werden kann, zeigt sich die gesamte Palette. Nuancenreich und vor allem stimmlich eine Wucht ist der Kater von Emanuel Fellmer, durchaus vielschichtig kommt der Hund von Robert Finster daher. Da darf der Bär von Michael Schiemer gerne auch etwas eindimensional gezeichnet sein. Der gewünschte Effekt ist ja eingetreten, denn das kleine Publikum zeigte deutlich Mitgefühl für die Figur, die nicht gleich alles kapiert und da und dort etwas Unterstützung braucht.

Das Beste zahlt sich aus

Im großen Katzen-Bären-Hexen-Fest, das das Landestheater zur Weihnachtszeit anbietet, sind im Übrigen auch die kleineren Rollen – die der Söhne – mit einigen Stützen des Ensembles besetzt. Und das zahlt sich aus. Lässt sich der Wahlspruch „Für Kinder nur das Beste“ auch nicht immer verwirklichen, dann sollte man ihn zumindest stets vor Augen haben. Dieses Mal ist das der Fall.

Das Zielpublikum hat es gestern am Bregenzer Kornmarkt mit großer Aufmerksamkeit und starkem Schlussapplaus unterstrichen. ##Christa Dietrich-Rudas##

Nächste Aufführungen: 4. Dezember, 9 und 11 Uhr; 9. Dezember, 15 Uhr und weitere. Dauer: eine gute Stunde