Berge gefaltet, gefächert, gespiegelt

Kultur / 04.12.2012 • 22:45 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Aus einer Arbeit von Gerhard Brandl. Fotos: A. Grabher
Aus einer Arbeit von Gerhard Brandl. Fotos: A. Grabher

Galerie allerArt zeigt neue Arbeiten des oberösterreichischen Künstlers Gerhard Brandl.

Bludenz. (VN-ag) Zu Gerhard Brandls Berggipfeln muss man nicht hinaufschauen. Man kann bequem auf sie hinunterblicken und sie mit wenigen Schritten umrunden. Diese Schritte sind allerdings wichtig, denn die Objekte, die der oberösterreichische Künstler in der Bludenzer Galerie allerArt zeigt, haben mehr als nur die eine, einzig gültige Ansichtsseite.

Gerhard Brandl, dessen künstlerisches Œuvre der letzten zwanzig Jahre im Bereich von Malerei und Grafik angesiedelt ist, entwickelt sein Werk in Themen- und Projektreihen, deren inhaltliche Aspekte ihn auch schon einmal über etliche Jahre beschäftigen können. „Faltungen“ heißt die aktuelle, 2010 begonnene Themen- und Projektreihe, die sowohl dreidimensionale Objekte als auch brandneue Zeichnungen und grafische Blätter umfasst. Aus räumlichen Werken, die ursprünglich für die Wand gemacht waren und sich im Vorbeigehen in zwei Ansichten auffächern, hat Gerhard Brandl schließlich Bildobjekte konzipiert, die waagrecht liegend, knapp über dem Boden schwebend präsentiert werden und das Dreidimensionale mit der Malerei verknüpfen.

Auf die kaschierten Objekte, deren aufragende Spitzen sich wie ein Toblerone-Panorama ausnehmen, wird eine Leinwand aufgezogen, die mit zwei verschiedenen Motiven, jeweils in Streifen zerlegt, bemalt wird.

Real und abstrakt

Neben den klassischen Gebirgsmotiven, die sich zum Thema „Faltungen“ anbieten, experimentiert Brandl auch mit Kombinationen von real und abstrakt, Gefundenem und Konstruiertem, Licht und Schatten. Überhaupt liegt den Werken auch stets eine gewisse Dualität zugrunde, wenn beispielsweise das gezeichnete Sujet eines Berges, um 180 Grad gedreht, einen Krater zeigt, oder das identische Motiv, gespiegelt, ein Paar Flügel evoziert.

Mit dieser an sich simplen Methode der Spiegelung, Drehung oder des an einen Rorschachtest erinnernden „Abklatschens“ in den auf Fotos basierenden, am Computer generierten grafischen Arbeiten hinterfragt Gerhard Brandl fast beiläufig Mechanismen der Wahrnehmung. Blickt man vor dem Objekt stehend auf einen Berggipfel, so verwandelt sich dieser im Umschreiten des Werks in eine Wolke, oder aber eine Karte aus den 1950er-Jahren transformiert sich in einen Schwamm.

In dieser Durchmischung und Verfremdung der Motive liegt der Reiz dieser Arbeiten, die als hochglänzende Grafiken aber auch schon einmal in die Nähe des Plakativen rücken können.

Zur Person

Gerhard Brandl

Geboren: 1958 in Linz

Ausbildung: Studium der Malerei, Hochschule für Gestaltung Linz

Laufbahn: zahlreiche Ausstellungen, Mitglied der Künstlervereinigung MAERZ, Gründer der temporären Galerie B

Wohnort: Linz

Die Ausstellung ist in der Galerie allerArt in Bludenz (Am Raiffeisenplatz, Remise) bis 13.Jänner geöffnet, Mi, Fr, Sa, So und Feiertag, 15 bis 18 Uhr, Do, 16 bis 20 Uhr