Walter Fink

Kommentar

Walter Fink

Kommissare als Reiseführer

Kultur / 04.12.2012 • 22:45 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Derzeit läuft der „Konstanzer Krimiwinter“, bei dem verschiedene Autoren in der Bodenseestadt lesen. Konstanz ist überhaupt, seit dort auch eine Tatort-Kommissarin ermittelt, zu einem Krimi-Zentrum geworden. Denn auch eine Reihe des Egmont-Horizont Verlags spielt in Konstanz, wo Kommissar Kramer verzwickte Fälle löst.

Krimis wohin man schaut, und oft ist diese meist leichtere Lektüre auch ein ideales Geschenk (Weihnachten kommt!) oder geeignet, um sich lange Nächte zu vertreiben. Bald einmal dürfte jede Stadt oder jede Region ihren eigenen Kommissar haben. In Venedig ist es Commissario Brunetti von Donna Leon, in Florenz Maresciallo Guarnaccia, der leider – nach vierzehn einschlägigen Titeln – vor einigen Jahren verstorbenen Magdalen Nabb (alle bei Diogenes erschienen). Sizilien wird uns von Commissario Montalbano des großartigen Andrea Camilleri (Bastei Lübbe) vorgestellt, und das im Verkehr und in der Korruption erstickende Athen von Kommissar Kostas Charitos von Petros Markaris (Diogenes).

All diese Krimis sind nicht zuletzt für jene interessant und unterhaltsam, die sich in den jeweiligen Städten etwas auskennen – der Wiedererkennungseffekt ist mindestens ebenso wichtig wie die eigentliche Krimigeschichte. Sehnsucht könnte aufkommen bei Martin Walkers „Bruno, Chef de police“ (Diogenes), der im französischen Périgord ermittelt. Das gilt natürlich auch für Alfred Komarek und seine sechs Polt-Romane (Haymon Verlag), in denen der Dorfgendarm Simon Polt in den Kellergassen des Weinviertes bedächtig, zwischen einigen Gläsern in den Presshäusern, Morde aufklärt.

Noch näher sind uns die Bodenseekrimis, die es in jüngerer Zeit von verschiedenen Verlagen gibt. Konstanz wurde schon angesprochen. Aber auch Überlingen hat mit Kommissar Wolf seinen eigenen Ermittler (Emos Verlag), von dem Autor Manfred Megerle bisher fünf Titel vorgelegt hat. Und um Lindau lässt Jakob Maria Soedher Kommissar Schielin mit seinem Esel seine Kreise ziehen (Edition Hochfeld), der neueste Band „Hafenweihnacht“ ganz der Zeit angepasst.

Da darf natürlich auch Vorarlberg nicht nachstehen: In drei Fällen ermittelte bisher der Bregenzer Kriminalinspektor Isidor Ibele von Peter Natter (Bucher Verlag), einmal im Bregenzerwald, dann bei den Dornbirner Erbschleichern und schließlich „In Grund und Boden“ am Arlberg.

walter.fink@vn.vol.at
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