Heiße, aber fragile Liebe

Kultur / 05.12.2012 • 21:49 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Hauptdarstellerin Keira Knightley tritt die Nachfolge von Greta Garbo, Vivian Leigh, Jacqueline Bisset und Sophie Marceau an. Foto: AP
Hauptdarstellerin Keira Knightley tritt die Nachfolge von Greta Garbo, Vivian Leigh, Jacqueline Bisset und Sophie Marceau an. Foto: AP

In der originellen Neuverfilmung von „Anna Karenina“ überzeugt Keira Knightley als anrührende Ehebrecherin.

Berlin. „Anna Karenina“ ist eine der großen tragischen Liebesgeschichten der Weltliteratur. Die Version des britischen Regisseurs Joe Wright ist die nun schon achte Kinoverfilmung von Leo Tolstois 1878 veröffentlichten Roman­epos. Die Rolle der russischen Adeligen, die für den Grafen Wronskij ihren Mann verlässt, ist eine der prestigeträchtigsten Frauenfiguren, die das Kino zu bieten hat. Hauptdarstellerin Keira Knightley tritt die Nachfolge u. a. von Greta Garbo, Vivian Leigh, Jacqueline Bisset und Sophie Marceau an.

Wright findet einen originellen Zugang zu dem Klassiker. Statt die Geschichte als Historienfilm auszustaffieren, verlegt er sie symbolträchtig in eine Theaterkulisse. Schließlich ist das Leben von Anna Karenina, Gattin eines hohen Beamten, eine anstrengende Theatervorstellung, die sie für ihr Milieu gibt. Stets gilt es, Klatsch abzuwehren. Ihr öffentlicher Bruch der Regeln macht die Ehebrecherin zur geächteten Frau.

Das Geschehen findet also nicht in prächtigen Salons, sondern im Bühnenambiente und sogar auf dem Schnürboden, der für Straßenszenen herhalten muss, statt. Der Zug, in dem Anna Wronskij begegnet, wirkt anfangs wie ein Spielzeugzug. Anna ist aus St. Petersburg nach Moskau gereist, um Schwägerin Dolly die Scheidung von Annas Bruder, Schürzenjäger Oblonski, auszureden. Derweil bekommt Oblonskis Freund Ljewin von seiner Angebeteten Kitty, die auf einen Heiratsantrag von Wronskij hofft, einen Korb. Doch den schneidigen Kavallerieoffizier trifft die Liebe wie ein Blitz, und er verfällt der älteren Anna. Anna, die mit Karenin eine recht harmonische Ehe führt, wehrt sich gegen diese Anziehung, doch Wronskijs Belagerung hat Erfolg. So beginnt eine „amour fou“ mit fatalem Ausgang.

So hinreißend wie fragil

Ist der von dem blondgefärbten Aaron Taylor-Johnson gespielte Wronskij ein zwar attraktiver, aber blasser Galan, so verkörpert Keira Knightley eine anrührende Liebende. Die Schauspielerin wirkt gerade durch ihre Mädchenhaftigkeit ebenso hinreißend wie fragil. Heiße Liebesszenen kontrastieren mit Annas Wissen um ihre „Verdammnis“, mit ihrer sich steigernden Zerrissenheit, die einen realen Hintergrund hat. Als Geschiedene verlöre sie nicht nur ihren gesellschaftlichen Status, sondern auch ihr Kind. Jude Law als Annas viel älterer Ehemann ist gekonnt gegen den Strich besetzt; das Ehebett ähnelt einem Sarg. Annas Ehebruch wird durch die „legale“ Beziehung Ljewins zu Kitty, die auf dem Lande ihre Erfüllung findet, kontrastiert. Und wenn sich die Tore des erstickenden Stadt-Theaters auf die lichte Landschaft samt ehrlicher Bauern öffnet, veranschaulicht der Film auch Tolstois Moralphilosophie. So appelliert diese artifizielle Inszenierung vor allem an Cineasten, geht aber mit dem zeitlosen Unglück dieser Liebenden dennoch ans Herz.

Der Film kommt ab morgen in die österreichischen Kinos