Bewegung und Augenblick

Kultur / 06.12.2012 • 22:48 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Arbeit des New Yorker Malers David Reed. Fotos: A. Grabher
Arbeit des New Yorker Malers David Reed. Fotos: A. Grabher

„Mo(ve)ment“ im Magazin 4 geht der Frage nach, ob man mit dem Körper denken kann.

Bregenz. Joseph Beuys hat die Frage für sich längst beantwortet: „Ich denke sowieso mit dem Knie.“ Aber in welchem Verhältnis stehen Denken und Handeln, Kopf und Hand im künstlerischen Prozess tatsächlich? Mit einer überaus unterhaltsam und schlüssig inszenierten Ausstellung gehen die Kuratoren Jörg van den Berg und Wolfgang Fetz der Frage anhand von vier völlig unterschiedlichen künstlerischen Positionen im Magazin 4 nach.

Ausgangspunkt und der gemeinsame Nenner zwischen der Zeichnerin Silvia Bächli, dem Bildhauer Heinz Breloh, der Tänzerin und Choreografin Anna Huber und dem Maler David Reed ist die, aufs jeweilige Medium bezogene, elementare Geste. Dass sich mehr oder weniger offen oder verdeckt Querverbindungen ergeben, macht den Parcours durch die Schau, die in zweifacher Hinsicht vom Augenblick und der Bewegung lebt, so spannend.

Eine Wiederentdeckung

Fast museal mutet die bildhauerische Position von Heinz Breloh (1940–2001) an. Der Kölner Bildhauer feiert in Bregenz so etwas wie eine kleine Wiederentdeckung. Skulptur als Prozess und die direkte Bearbeitung der Materie mit dem Körper zeichnen seine Arbeiten in Gips und Ton aus. Das sind nicht nur die Abdrücke der Finger und Spuren der Hände, sondern der ganze (nackte) Körper, mit dem sich der „Der Bildhauer als Sechsender“ gegen einen noch feuchten Gipsblock wirft, unablässig seinen Bahnen zieht, sich am Material abschleift, bis schließlich eine kurvige Kontur und die stelenartige Skulptur „Lebensgröße“ übrig bleibt. Die direkte Geste und das ganze Spektrum von der Figur über Körperteile bis zur reinen Abstraktion kennzeichnen die großartigen Blätter der Schweizer Zeichnerin Silvia Bächli (geboren 1956). Im Frühjahr erst im Kunstmuseum St.Gallen gezeigt, erlangen die Dinge, sich ausgehend von der Beobachtung und Wahrnehmung des Alltags feingliedrig verflüssigend, im Zuge des Zeichenprozesses autonome zeichnerische Formen auf dem Papier.

Die Stadt hereingeholt

Fragil und präsent im Raum zugleich ist die Tänzerin Anna Huber (geboren 1965, lebt in Bern und Berlin), die nicht nur für die Bühne choreografiert, sondern in Live-Performances auch raumbezogen agiert.

Im Magazin 4 tanzt Anna Huber vor dem Fenster, das ein Raster vorgibt, in das ihr Körper perfekt zu passen scheint, und als Schattenspiel um eine Säule. Erstmals mit dem Medium Film experimentierend, verbindet sich der Reiz der Bewegung mit einer stillen Arbeit. Eine der schönsten Szenen ist jener Moment, wenn die Tänzerin das Fenster öffnet und über das spiegelnde Glas die Stadt in den Raum holt.

Fast barock mutet dagegen die malerische Geste des New Yorker Malers David Reed (geboren 1946) an. Während eine frühe Arbeit aus der „Brush Stroke“-Serie der 1970er den Pinselstrich thematisiert, spiegeln die aktuellen Werke die Auseinandersetzung des Künstlers mit neuen Medien und Film.

Die Ausstellung wird am 7. Dezember, 19 Uhr, im Magazin 4 in Bregenz (Bergmannstraße 6) eröffnet. Zu sehen bis 17. Februar,
Di bis So, 14 bis 18 Uhr