Meister der geschwungenen Kurven

Kultur / 06.12.2012 • 19:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Zu den bekanntesten Gebäuden von Oscar Niemeyer zählen das Museum Zeitgenössischer Kunst in Niteroi bei Rio und der Nationalkongress in Brasilia. Fotos: Reuters
Zu den bekanntesten Gebäuden von Oscar Niemeyer zählen das Museum Zeitgenössischer Kunst in Niteroi bei Rio und der Nationalkongress in Brasilia. Fotos: Reuters

Architekturwelt trauert um einen ganz Großen: Oscar Niemeyer starb zehn Tage vor seinem 105. Geburtstag.

Rio de Janeiro. Der Jahrhundert-Architekt stand bis ins hohe Alter täglich am Reißbrett. Das UN-Gebäude in New York, die futuristischen Bauten der Retortenhauptstadt Brasília, das Interbau-Wohnhochhaus im Berliner Hansaviertel und die Zentrale der Kommunistischen Partei in Paris sind nur einige von Hunderten Werken, die er in der ganzen Welt schuf.

Der Leichnam Niemeyers wird im Palácio do Planalto in Brasilia aufgebahrt. Auch diesen Bau entwarf er Ende der 1950er-Jahre. Oscar Niemeyer galt als Meister der Kurven. Von der Arbeit besessen, war für ihn die Architektur sein Lebenselixier. Auch als über 100-Jähriger ging er regelmäßig in sein Büro an der Copacabana in Rio de Janeiro. Seine Werke sind geprägt von kühner Eleganz und schwungvollen Linien. Es sind oft in Beton gegossene Gedanken, mit denen der bekennende Kommunist den Betrachter immer überraschen wollte.

Rechte Winkel waren für den Vater der brasilianischen Architekturmoderne eine Art Unterdrücker. „Was mich anzieht, ist die freie und sinnliche Kurve, die ich in den Bergen meines Landes finde, im mäandernden Lauf seiner Flüsse, in den Wolken des Himmels, im Leib der geliebten Frau“, formulierte Niemeyer seinen Grundsatz.

Seine Heimat Brasilien war ihm in seinem jahrzehntelangen Schaffensdrang nie groß genug. Er entwarf und baute in den USA, in Italien, Deutschland, Spanien, Frankreich, Israel und vielen Ländern rund um die Erde. Der Mann, der nach Worten des französischen Star-Architekten Le Corbusier (1887–1965) die Berge Rios in den Augen trug, wurde am 15. Dezember 1907 als eines von sechs Kindern eines deutschstämmigen Kaufmanns in der Stadt am Zuckerhut geboren.

Die Konfrontation mit Niemeyer-Bauten ist immer auch eine Begegnung mit unerwarteten Formen.