Zeitgeschichte in aller Kürze

Kultur / 06.12.2012 • 19:05 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Der Tiroler Autor Helmuth Schönauer schreibt sich mit Beharrlichkeit in die Literaturgeschichte ein.

Roman. (VN-BS) Neben den vielen Besprechungen erscheinen fast im Jahrestakt neue Romane von Schönauer, der von der Universität Innsbruck aus wie nebenbei noch die Bibliotheken und Büchereien in Tirol betreut.

Wie in den meisten Büchern von Helmuth Schön­auer handelt es sich bei seinem neuen Roman „Durnitalien“ um einen so­genannten Provinzroman, wie schon der Untertitel verrät – ein von Schönauer in dieser Form neu erfundenes Genre, das er sich über die Jahre selbst auf den Leib geschrieben hat. Dabei werden die Schlagzeilen eines Jahres – wenn man so will – in Echtzeit fiktionalisiert und literarisch überhöht, denn Helmuth Schönauer ist in seinen Büchern ein Meister der Ironie und Satire. In den Handlungsstrang eingewoben sind O-Töne, die so oder so ähnlich wirklich vom „Volk“ gesprochen werden könnten, es sind Kommentare zur aktuellen politischen Lage und zu den Auswirkungen, welche die große weite Welt auf die Provinz haben kann, wenn die Welt denn einmal auf die Provinz einstürzt. In „Durnitalien“ geht es um Südtirol und da insbesondere um den Langzeitlandeshauptmann Luis Durnwalder, kurz Durni, der wie ein mittelalterlicher Landesfürst im Süden herrscht, immer in Konkurrenz zu seinem Pendant im Tiroler Norden.

Satirisch und unterhaltsam

Alle Geister scheiden sich nicht nur am Brenner oder der Südtiroler Wasserscheide, sondern vor allem am Großprojekt Brennerbasistunnel und seinen grotesken Auswirkungen auf die Bevölkerung. Bei Schönauer kommt in „Durnitalien“ aber auch wieder ein Phänomen zu literarischen Ehren, das bereits in mehreren seiner Bücher sein Unwesen getrieben hat, das berühmte Schützenwesen. Stilecht und ganz schönauerisch heißen die Protagonisten Gupf, Gitzler und Klachelberger, ein Schützen-Trio zwischen Andreas-Hofer-Reminiszenz und Landestreue, das seine geklonte Entsprechung im Süden Tirols hat.

Dass Helmuth Schönauer literarisch meist unter die Gürtellinie zielt, weiß und schätzt der versierte Leser seiner Bücher, komisch und ironisch ist diese andere Art der Zeitgeschichte aber allemal.

Helmuth Schönauer: „Durnitalien. Südtiroler Provinzroman“, Verlag Kyrene, Innsbruck, Wien