Weil das Leben so viel zu bieten hat

Kultur / 10.12.2012 • 21:08 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Zeichnung von Lukas Moll, der von den Künstlern Ch. Lingg und Harald Gfader betreut wird. Foto: A. Grabher
Zeichnung von Lukas Moll, der von den Künstlern Ch. Lingg und Harald Gfader betreut wird. Foto: A. Grabher

In der Galerie .Z sind Arbeiten von Lukas Moll aus dem ARTelier der Lebenshilfe zu sehen.

Hard. (VN-ag) Manchmal kann man sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Denn ja, genau so muss eine Dauerwurst gezeichnet werden. Oder das Paar Gummistiefel, oder der Staubsauger. Doch auf den zweiten Blick stellt sich eine leichte Irritation ein. Die scheinbar einfachen Darstellungen profanster Dinge, die zunächst an naive Kinderzeichnungen erinnern, wirken wie von verschiedenen Seiten gleichzeitig dokumentiert. Genau dieses Verschränken verschiedener Ansichten eines Gegenstandes in einem Bild ist eine Spezialität von Lukas Moll. Lukas Moll, Jahrgang 1976, wurde mit dem Down-Syndrom geboren und besucht seit 2006 das ARTelier Vorderland in Sulz. Diese Einrichtung der Lebenshilfe Vorarlberg fördert das kreative Schaffen von Menschen mit Behinderung.

Konzept von Gfader und Lingg

Seit einiger Zeit arbeitet Lukas Moll in Sulz nach einem Kreativkonzept, das der Feldkircher Künstler Harald Gfader erstellt hat, unter der künstlerischen Betreuung der Vorarlberger Malerin und Zeichnerin Ch. Lingg. Harald Gfader und Ch. Lingg haben denn auch gemeinsam die Ausstellung „so viel“ in der Galerie.Z kuratiert und wagen mit diesem in vielerlei Hinsicht außergewöhnlichen Pilotprojekt einen Schritt in eine breitere Öffentlichkeit – wohl wissend um die Sensibilität des Unterfangens, aber auch im gleichzeitigen Bewusstsein, dass mit Lukas Moll einer besonderen Persönlichkeit die Möglichkeit gegeben wird, über den künstlerischen Ausdruck erkannt und anerkannt zu werden. Zudem sind sich beide einig: Lukas Moll ist innerhalb der Werkstätte eine Ausnahmeerscheinung.

Beobachter und Sammler

Er bringt ein eigenständiges Bilddenken mit, macht Sinneseindrücke, Befindlichkeiten und Innerlichkeiten zu seinem eigenen Thema, nähert sich dem Gegenstand über die Kontur und reduziert intuitiv das Vorne, Hinten, Links und Rechts auf eine Ebene. „So viel“ ist ein häufiger Ausspruch von Lukas Moll und so viel gibt es auch auf den teils großformatigen Buntstiftzeichnungen zu sehen. Dabei erweist sich Moll, der seine Zeichnungen datiert, häufig mit Titeln beschriftet und weithin sichtbar mit „Lukas“ signiert, zunächst als Beobachter und Sammler.

Seine Motive stammen aus dem Alltag, aus dem ans ARTelier angegliederten Brockenhaus in Sulz, aus dem Atelier selbst oder auch aus einem Fundus von zusammengetragenen Ausschnitten aus Zeitschriften. Sachlich distanziert, fast nüchtern ist der Blick auf die Dinge, zugleich schwingt aber auch Humor mit. Jenseits von Akademismus und der Maßstäbe, die der Kunstmarkt anlegt, berührt der unverstellte, authentische Blick, den Lukas Moll auf die Dinge wirft, die das Leben und diese besonderen Stillleben ausmachen.

Die Ausstellung ist in der Galerie .Z in Hard (Landstraße 11) bis 5. Jänner geöffnet, Di und Do, 18 bis 20 Uhr, Sa, 10 bis 12 Uhr