Täuschung, Taktik oder Recht

Kultur / 12.12.2012 • 22:50 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Gerald Matt, Ex-Direktor der Kunsthalle, sieht sich trotz Einstellung der Ermittlungen gegen ihn weiteren Verleumdungen ausgesetzt. Foto: APA
Gerald Matt, Ex-Direktor der Kunsthalle, sieht sich trotz Einstellung der Ermittlungen gegen ihn weiteren Verleumdungen ausgesetzt. Foto: APA

Kurz vor Erscheinen des Kontrollamtsberichts zur Kunsthalle Wien kursieren täuschende Zitate aus einem älteren Berichttext.

Wien, Bregenz. (VN-cd) Das Ermittlungsverfahren gegen Gerald Matt, ehemaliger Direktor der Kunsthalle Wien, wurde, wie berichtet, vor wenigen Tagen vonseiten der Staatsanwaltschaft eingestellt. Weder der Vorwurf der unerlaubten Intervention im Zuge von Ansuchen um die Staatsbürgerschaft noch ein wissentlicher Befugnismissbrauch konnten bestätigt werden.

Heute wird der Bericht des Kontrollamts der Stadt Wien vorliegen, das die Gebarung des inzwischen aufgelösten Vereins Kunsthalle Wien in den Jahren 2002 bis 2011 einer Prüfung unterzog. Die Austria Presse Agentur verlautbarte ausgerechnet gestern Nachmittag Auszüge aus einem „bisher nicht veröffentlichten Bericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft HLB Intercontrol“, der bereits im Frühjahr dieses Jahres, also vor dem Abschluss der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft erstellt wurde und die von der Justiz inzwischen erhobenen Fakten auslässt. Matt habe „Mitarbeiter für private Zwecke eingesetzt und die Kunsthalle autoritär geführt“ und „der Vorstand ist seiner Aufsichtspflicht nur ungenügend nachgekommen“, heißt es in der nun kursierenden Meldung.

Der Bericht „dürfte auch Grundlage für die Erkenntnisse des Kontrollamts sein, das am Donnerstag seine Ergebnisse veröffentlichen möchte“, wird gemutmaßt. HLB Intercontrol hatte im Auftrag der Stadt Wien die Gebarung der Kunsthalle vor allem im Zuge der Gründung einer GmbH untersucht. Seinem Auftraggeber zusätzlich eine persönlich gefärbte Meinung über das überprüfte Unternehmen kundzutun, ist dabei – im Gegensatz zu Berichten des Kontrollamts – möglich oder üblich.

Interessant ist die Tatsache, dass der Wiener Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (S) nach der Einstellung der Ermittlungen am Wochenende von „geschaffener Klarheit“ sprach, Kultursprecher Wolfgang Zinggl (Grüne) aber „überrascht“ reagierte.

„Ablenkmanöver“

Während die Kunsthalle-Leitung heute einen eher positiven Kontrollamtsbericht mit einigen Empfehlungen zum Dienstvertrag des Direktors und keine Auflistung von Verfehlungen erwartet, sieht Gerald Matt in der gestrigen Agenturmeldung eine „Verleumdungskampagne der Grünen“ und konterte mit einer Aussendung: „Sämtliche bis dato erhobenen Vorwürfe wurden von der Staatsanwaltschaft umfassend geprüft und dabei wurde keinerlei strafrechtliche Relevanz gefunden. Trotzdem versuchen die Grünen weiterhin mit Verdrehung von Tatsachen, Dr. Matt und den ehemaligen Vorstand der Kunsthalle zu diskreditieren. Dabei kann es sich nur um ein Ablenkmanöver der Grünen handeln, die durch ihre fortgesetzte Hetzkampagne den Verbrauch von Steuermitteln zu verantworten haben.“

Darüber hinaus wolle man, so Matt, offensichtlich von positiven Ergebnissen des Kontrollberichts durch Wiederholung alter und geprüfter Vorwürfe ablenken. ##Christa Dietrich-Rudas##