Am Ende wird alles gut

Kultur / 21.12.2012 • 20:51 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Jacob (1785–1863) und Wilhelm (1786 –1859) Grimm sind auch als Sprachforscher berühmt. Foto: dpad
Jacob (1785–1863) und Wilhelm (1786 –1859) Grimm sind auch als Sprachforscher berühmt. Foto: dpad

Vor exakt 200 Jahren erschien die Erstausgabe der „Kinder- und Hausmärchen“.

Sachbücher. Die Geschichten wurden in mehr als 170 Sprachen übersetzt und gehören zu den am weitesten verbreiteten Büchern auf der Welt. Seit 2005 gehört die Erstausgabe, die im Brüder-Grimm-Museum in Kassel liegt, zum Weltdokumentenerbe.

Doch wie kam es dazu? „Märchen sind nichts anderes als alte Geschichten der Menschheit. Jacob und Wilhelm Grimm haben versucht, alles zu sammeln, was auf das germanische Altertum verweist, und so reichen diese Erzählungen mitunter bis zu den Anfängen unserer Zeitrechnung“, sagt der Grimm-Professor der Universität Kassel, Holger Ehrhardt. „Beispielsweise finden sich in den Märchen der Brüder Grimm auch Motive altindischer Fabeln aus dem ersten Jahrhundert.“

Für Kinder seien es lehrreiche Geschichten gewesen. „Und oft war es auch eine Erklärung für
Erwachsene,

zum Beispiel für Naturphänomene wie Donner. Den musste ja jemand gemacht haben.“

1806 fingen Jacob (1785 bis 1863) und Wilhelm (1786 bis 1859) Grimm an, Märchen zu sammeln. Allerdings zog das Brüderpaar dafür keineswegs durchs Land. Die Grimms ließen sich von Menschen aus ihrem Bekanntenkreis Märchen erzählen und schrieben diese auf. „Die Grimms haben diese Erzählungen dann verändert, und daraus sind die Grimm’schen Märchen entstanden, die in aller Welt berühmt geworden sind“, sagt Ehrhardt. Ob Schneewittchen, Dornröschen oder Aschenputtel – oft ging es um ein gutes Mädchen, dem zunächst etwas Schlimmes widerfährt, ehe sich alles zum Guten wendet.

Beschönigt und umgearbeitet

Anfangs jedoch blieb der Erfolg des Buches aus. Detailreiche Grausamkeiten und wissenschaftliche Anmerkungen der Brüder waren nicht gerade förderlich. Während Jacob seinen Schwerpunkt auf die Sprach-, Politik- und Religionswissenschaften verlagerte, arbeitete Wilhelm die Märchen um und verpasste ihnen den bekannt romantischen Stil. „Das war seine bedeutendste Leistung“, sagt der Leiter des Grimm-Museums in Kassel, Bernhard Lauer.

„Böse Mütter wurden zu bösen Stiefmüttern, nackte Prinzen prächtig gekleidet und Rapunzels Schwangerschaft blieb für die böse ­Zauberin wie für den geneigten Leser unentdeckt“, heißt es auf der Internetseite zum Grimm-Jubiläum: www.grimm2013.de.

Das sieht etwa der Schauspieler Ilja Richter (60), gefragt nach den Grimm-Märchen, durchaus kritisch. Alles, was eine gewisse Zweideutigkeit habe, hätten die Grimms rausgenommen. „Ich sag nur Stichwort Rotkäppchen und der böse Wolf.“ Das sei eine sehr erotische Geschichte. Oder der Wolf und die sieben Geißlein. „Eigentlich geht es unausgesetzt ums Vernaschen“, betont er. Ehrhardt erzählt, der Erfolg der Märchen bei Kindern sei unter anderem darauf zurückzuführen, dass die Brüder den Geschichten später Bilder hinzufügten.

Deutsches Wörterbuch

Doch nicht nur Märchen gehören zu den Hinterlassenschaften der Grimms. Dass sie auch bedeutende Sprachforscher waren, sei vielen nicht bekannt, sagt Ehrhardt.

Sie begründeten die Germanistik mit und schrieben das Deutsche Wörterbuch – auch wenn sie nur bis zum Wort „Frucht“ kamen.

Verbunden bleiben aber wird der Name Grimm vor allem mit den Märchen. Unter den Neuerscheinungen sei neben einer Märchenausgabe das Werk von Gerald Axelrod sowie die Figurendeutung von Karen Duve empfohlen.

Gerald Axelrod: „Die fantastische Welt der Brüder Grimm“, Stürtz; „Karen Duve: „Grrrimm“, Kiepenheuer & Witsch; „Das große Märchenbuch der Brüder Grimm“, Thienemann