Christa Dietrich

Kommentar

Christa Dietrich

Attraktives Angebot

Kultur / 23.12.2012 • 21:54 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Es war einmal vor langer, langer Zeit, da hat einer behauptet, dass die Erfindung des Hörfunks zum Tod der Zeitungen führt. Das Hören ist bequemer als das Lesen.

Da ist etwas dran, und verändern wird sicher immer etwas. Recht behalten hat er nicht. Trotzdem hat die Geschichte so geendet wie alle traditionellen Märchen enden. Denn wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie heute noch – auch die Unkenrufer unter den Warnern.

Twitter und SMS bzw. die Nutzung der Kurznachrichtendienste führten dazu, dass die deutsche Sprache verarme, hat Hans Zehetmair, Vorsitzender des Rechtschreibrats in Deutschland, jüngst beklagt.

Die vorweihnachtliche Larmoyanz hat ihm viel Gegenwind von Seiten der Sprachforscher eingebracht. Einige meinen, dass die in den Kurzmeldungen angewendete Umgangssprache die Hochsprache weniger beeinflusst, als manche befürchten, die anderen sehen in der Abfassung einer kurzen Meldung mit höchstmöglicher Aussagekraft ohnehin eine kreative Leistung.

Möge es die klugen Warner weiterhin ebenso geben wie die kompetenten Beschwichtiger. Mögen wir aber bedenken, dass es auch an uns liegt, ob unsere Heranwachsenden beispielsweise die kommenden Ferientage stumm mit den Fingern an irgendwelchen Tastaturen verbringen, ob sie gar ein Buch zur Hand nehmen oder ob wir sie zur Artikulation herausfordern.

In ganzen Sätzen bitte. Um jene zu hören, muss man sich eben etwas einfallen lassen, kreativ sein, ein attraktives Angebot parat haben. Heißt es nicht, dass Familienleiter auch Unternehmer sind? ##Christa Dietrich-Rudas##

christa.dietrich@vn.vol.at, 05572/501-225