Dass man es gut mit ihnen meint

Kultur / 23.12.2012 • 21:54 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Kinder beim Entdecken der Kunstwerke von Ai Weiwei: „Rita, wann gehen wir wieder ins Kunsthaus“, hört die Westend-Leiterin nicht selten. Fotos: Westend
Kinder beim Entdecken der Kunstwerke von Ai Weiwei: „Rita, wann gehen wir wieder ins Kunsthaus“, hört die Westend-Leiterin nicht selten. Fotos: Westend

„Wir wissen, was Kinder brauchen, geben wir es ihnen doch“, heißt es für Rita Mittelberger.

Christa Dietrich

Bregenz. Lamentieren gilt für die Pädagogin nicht. Früher, als man Familie noch etwas anders definiert hatte, sei überhaupt nicht alles besser gewesen, im Vergleich zu damals kenne man nun aber den hohen Wert der menschlichen Wärme, wenn man sich auch nicht immer danach verhalte. Seit Jahren mit Kindern und Jugendlichen in Kontakt, erfährt die Leiterin des Treffs Westend in Bregenz, dass die ihr Anvertrauten vor allem eines brauchen: Ansprache. „Wie läuft es, wie geht es dir denn heute?“ sind die einfachen Schlüsselsätze, die bereits ein Licht auf die Gesichter der jungen Menschen zaubern. Das zu erreichen, hat sich Rita Mittelberger zur Aufgabe gemacht. Selbstverständlich trifft man sie auch am Tag vor Weihnachten bei der Arbeit. Abrechnungen. Muss auch sein, wenn man die Freizeitfamilie von vielen Heranwachsenden ist.

Eine Familie übrigens, in der neuerdings jeweils sonntags mit Begeisterung gemeinsam gekocht und gegessen wird, in der die coolen Jungs auch einmal einen halben Nachmittag seelenruhig beim Häkeln verbringen und in der Kunst, vor allem auch die zeitgenössische, ganz oben auf der Aktivitätenliste steht. „Ich wäre als Kind selbst gerne kreativ gewesen, habe aber nicht die Möglichkeit dazu gehabt, das hat mich motiviert, den Kindern und Jugendlichen diese Möglichkeit nun zu geben.“

Kinderaugen sehen anders

Wer einmal bei einem Workshop zusehen durfte, kommt nie mehr auf die Idee, dass den Kindern und Jugendlichen dabei etwas aufgedrängt wird. Im Gegenteil, Besuche im Kunsthaus zählen zu den begehrtesten Veranstaltungen überhaupt. „Jedes Kind hat das Recht, liebevoll gefördert zu werden“, lautet ein Grundsatz. Kinder lassen schwer zugängliche zeitgenössische Kunst eher gelten als manche Erwachsene, weiß Mittelberger, „sie nehmen die Arbeiten an, wie sie sind, lassen sich überraschen, wollen die Exponate aber genau ansehen können und Erklärungen geliefert bekommen.“ Kinderaugen sehen eben anders. „Glauben sie ja nicht, dass die besonders auf die Plüschtiere von Cosima von Bonin abgefahren sind, die Highlights waren die eher sperrigen Objekte von Ai Weiwei, davon habe ich sie fast nicht mehr wegbekommen, und die blauen Skulpturen von Roni Horn.“

Zu den Höhepunkten des zu Ende gehenden Jahres zählte die Auseinandersetzung mit dem „Horizon Field“ von Antony Gormley, also mit den Eisenskulpturen im Arlberggebiet. Im Rahmen der Begegnung wurde eine Performance realisiert, ein Video wurde gedreht, im Kunsthaus hatte man es dann aufgeführt. Wie aktuell Breakdance immer noch oder schon wieder ist, haben auch jene alten Semester erfahren, die ihn schon in der eigenen Jugend kannten. Ihn im Rahmen einer Veranstaltung mit Schuhplattlern zu kombinieren, ist Ulrich Gabriel gelungen, der besondere Heimatabende organisierte.

Seit einigen Monaten steht beim Westend in Bregenz ein Totempfahl, weithin sichtbar ist er ein Zeugnis der besonderen Kreativität. Angesichts des Objektes, hinter dem auch sehr viel harte Arbeit steckt, Wünsche zu hegen, ist nicht vermessen. Die Workshops, bei denen sich mehrere Vorarlberger Künstler einbringen, wird es weiterhin geben, eine Streetdance- oder Museumsreise möchte man so gerne unternehmen. Ob es nun klappt oder nicht, gut wird man es mit den jungen Menschen so oder so meinen. Denn das heißt, so Mittelberger, Anteilnahme und Förderung auf liebevolle Art. ##Christa Dietrich-Rudas##

Ich bin froh darüber, dass Kinder nun das Recht, dass man sie anhört, auch einfach einfordern.

Rita Mittelberger
Rita Mittelberger mit einigen ihrer Schützlinge im Kunsthaus Bregenz: „Jedes Kind hat das Recht, auf liebevolle Art gefördert zu werden.“
Rita Mittelberger mit einigen ihrer Schützlinge im Kunsthaus Bregenz: „Jedes Kind hat das Recht, auf liebevolle Art gefördert zu werden.“