Denn es fehlt uns nur an Taktik

Kultur / 23.12.2012 • 20:46 Uhr / 6 Minuten Lesezeit

Tick … tack tick … tack … tick … tack …

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Bald kommt das Christkind zu mir,

bald, bald, bald.

Bald steht es vor meiner Tür,

bald, bald, bald.

Bald ist das Warten vorbei

und das Fest beginnt

und dann sagt mir keiner mehr:

„Geduld, Geduld, mein Kind.“

Es ist Winter und Dezember,

Zeit für den Adventkalender.

Jeden Tag kommt ein Kind dran,

das ein Türchen öffnen kann.

Jedes Jahr zur selben Zeit

fordern wir Besinnlichkeit.

Doch das fällt uns gar nicht leicht,

da meist die Zeit dafür nicht reicht,

man erwachsen wird vielleicht.

Und ich erinner’ mich zurück, wie es bei uns damals war,

sah den Nikolaus und Knecht Ruprecht noch als Originalexemplar.

Doch es fehlt den Kindern heute an Begeisterung.

Wenn man ihn schon überall antreffen kann,

wer kann es ihnen übelnehmen?

Frag ich mich doch,

wo bleibt da Platz für das Magische, das Erkunden und Ersehnen?

Durch unseren Konsum wird langsam alles abgewertet.

Kinder werden abgehärtet.

Uns fehlt die Zeit.

Was bleibt, ist die Terminknappheit.

Wenn ich meine Augen schließe,

den Geruch von noch warmen Keksen genieße,

mich erinner’ an weißen Schnee, heißen Tee,

„Kevin allein zu Haus“ und „Weihnachtsmann & Co. KG“,

bekomm ich es wieder,

das Gefühl von Weihnachten,

gutem Essen und schönen Liedern.

Darum schließ’ ich meine Augen, um zu sehen, was ihr nicht seht,

fühl’ mich überfordert von all den Farben, Farbenbildern in IMAX und 3D.

Doch ihr diskutiert darüber nicht, sondern beschließt einfach, dass es mich nichts

angeht, da ich nicht möchte, dass was vorangeht.

Aber so stimmt das nicht. Bin bestimmt nicht gegen technischen Fortschritt, nur ist

eben auch dieser nicht immer nur fortschrittlich.

Ich bin wohlbehütet groß geworden.

Weder Erziehung noch Freunde oder Fernsehen

haben mich verdorben. Bin vielleicht manchmal mit dem Druck der Gesellschaft nicht

klargekommen und deswegen gegen den Strom geschwommen. Wollte auf eigenen

Beinen stehen, mit eigenen Füßen gehen, doch die Richtung begann sich

ständig zu drehen.

Und ich würde, wenn ich könnte, die Zeit zurückdrehen.

All die glücklichen Sekunden wie Kaugummi ausdehnen,

die vergangenen Jahrzehnte in Häppchen zerlegen,

die schönsten Momente in riesigen Blumentöpfen aufheben.

Sie mit viel Sonnenschein und Regen dann fürs Überleben pflegen. Und ich erinner’ mich zurück, wie wir früher waren. Nicht im Fernsehen, sondern auf der Straße und im Hof spielte das Programm. Von Rollschuhen über Inline-Skates und das erste Mal ein Fahrrad ohne Stützräder fahren.

Wir spielten bis spät in den Abend mit den Kindern unserer Nachbarn

Mittelmännchen, „Fängi“ oder Räuber und Gendarm.

Wir kannten all die guten Verstecke, jeden Baum, jede Hecke.

Von Glockenhosen- über Latzhosenmoden

ließ es sich gut mit Glitzerperlen und Bügelbildern toben.

Hatten zwar keine Handys um zu kommunizieren,

doch verbrachten wir Stunden mit Briefpost und Blechdosentelefonieren.

Knüpften uns Freundschaftsbänder aus bunter Wolle, sammelten Sticker, Plastikschnuller und die kleinen Trolle.

Es hat sich so viel geändert.

Wir haben so viel verändert,

haben uns weiterentwickelt, uns neuen Zielen gestellt.

Es ist noch der gleiche Planet, jedoch nicht mehr die gleiche Welt.

Wir müssen nicht jemanden 50 Mal wiederbeleben, nur weil wir es können.

Ich bin auch der Meinung, jedes Leben ist lebenswert, doch schafft es ein Leben nicht allein zu überleben, ist vielleicht nicht alles rettenswert?

Bin auch froh, dass nicht jede 14-Jährige Mutter sein muss, habe nichts gegen den leichten Weg von Tabletten, also die Abtreibungschemie.

Nur sollte man nicht alles so einfach machen, denn es braucht auch für Verhütung kein Genie.

Die meisten sind einfach zu bequem, um sich zu kümmern, für jedes Problem gibt es eine Lösung, verschiedene Medikamente, die einen da rausführen.

Und so schließ’ ich meine Augen, um zu sehen, was ihr nicht seht.

Fühl’ mich überfordert von all den Farben, Farbenbildern in IMAX und 3D.

Doch ihr diskutiert darüber nicht, sondern beschließt einfach, dass es mich nichts

angeht, da ich nicht möchte, dass was vorangeht.

Aber so stimmt das nicht, bin bestimmt nicht gegen technischen Fortschritt, nur ist

eben auch dieser nicht immer nur fortschrittlich.

Und ich würde, wenn ich könnte, mich ins Zeitsystem einklinken.

Mich in Facebook mit dem „Herr“ oder der „Frau“ Zeit verlinken, um per Nachricht zu erfahren, was ich tun kann.

Damit die Zeit nicht so schnell vergeht

und sich der Zeiger der Uhr statt vorwärts mal rückwärts dreht.

Denn uns fehlt es nur an

Tack … tick … tack … tick … tack … tick …

Raphaela Konzett