Bröckelnde Illusion, schonungslos gezeigt

Kultur / 20.01.2013 • 18:13 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
„Die toten Tiere“ am Theater Konstanz. Foto: Theater/Jansen
„Die toten Tiere“ am Theater Konstanz. Foto: Theater/Jansen

Deutsche Autorin Eva Rottmann überzeugt mit „Die toten Tiere“.

Konstanz. Am Anfang ist er einfach nur ein Fremder. Er hat keinen Namen, kein Alter, keine Geschichte, keine Herkunft. Soweit die Ausgangssituation des Stückes „Die toten Tiere“, das am Samstagabend am Stadttheater Konstanz uraufgeführt wurde. Auch der restliche Inhalt ist schnell erzählt: Helen (Katrin Huke) hat den Fremden (Ramses Alfa) auf der Straße gefunden und einfach mitgenommen. Ihr Ex-Mann Veit (Thomas Fritz Jung) schaut zufällig vorbei – und die beiden beschließen, sich um den schwarzen Mann zu kümmern.

Was sich am Anfang gut und richtig anfühlt, wird jedoch schnell zur Farce – inklusive Rassismus, klischeehaftem Frauenbild und Ignoranz gegenüber den Wünschen anderer. Es dauert nicht lange, da dient „Philippe-James“ – wie Helen und Veit ihn kurzerhand nennen – als perfekte Projektionsfläche für alles. Er ist Kinderersatz, Kumpelersatz, unbekannter Verführer und Helfer gegen die lähmende Einsamkeit. Vor allem aber soll er eines tun: Der Beziehung von Helen und Veit wieder einen Sinn geben.

Denn die Ehe der beiden ist gescheitert. Regisseur Oliver Vorwerk zeigt auf der Grundlage des Stückes von Eva Rottmann brutal und eindringlich, was aus zwei Menschen werden kann, die sich eigentlich einmal geliebt haben. Intensiv und schonungslos kehren sie das Innerste ihrer Figuren nach außen, lassen die stark und unabhängig scheinende Fassade nach und nach bröckeln.

Nächste Aufführung am
23. Jänner, 20 Uhr, Dauer: 1,5 Stunden. www.theaterkonstanz.de