Christa Dietrich

Kommentar

Christa Dietrich

Wieder ein toller Coup gelungen

Kultur / 21.01.2013 • 21:55 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Die große Innovation ist es nicht, aber gerissen sind sie, die Lindauer. Es war weder Häme noch ein Vorurteil, als man der Ankündigung, im alten Haus zum Cavazzen eine Picasso-Ausstellung realisieren zu wollen, mit einiger Skepsis begegnete. Schließlich wusste man, dass das zur Verfügung stehende Budget nicht riesengroß sein würde und dass einem anderswo unter solchen Voraussetzungen mit dem Namen Picasso schon höchst fragwürdige Zusammenstellungen untergejubelt wurden.

Die Auswahl der Zeichnungen, die man dann im Sommer 2011 zu sehen bekam, hatte jedoch Charakter, war gut nachvollziehbar und bot auch jenen, die das Werk des Titanen der bildenden Kunst des 20. Jahrhunderts schon intus haben, einiges Spannendes.

In logischer Folge kam ein Jahr später Marc Chagall, und auch hier war es eine kleine, feine, überlegte Zusammenstellung, mit der man in wenigen Monaten an die 75.000 Interessenten nach Lindau lockte. Die Besucherzahl ist nicht alles, aber wenn die Inselstadt in zwei Sommern rund 125.000 Museumseintritte verzeichnet, dann ist das schlicht ein Coup.

Heuer gibt es also Miró. Der Name hat Glanz, die Ausstellung muss dennoch etwas taugen. Dass es die Lindauer mit ihrem Kurator Roland Doschka hinkriegen, nimmt man ihnen inzwischen aber ab.

Man sollte die positive Bewertung dieser Aktivitäten aber nicht falsch, im Sinne von „die haben etwas, das wir nicht haben“, verstehen. Bregenz braucht angesichts seines vielfältigen Angebots nicht nach derlei Blockbuster-Events zu trachten und sollte es auch nicht tun. Aber es tut der Bodenseeregion gut, wenn es eine zusätzliche Attraktion gibt, die nicht nur ein konservatives Publikum anspricht, sondern die auch das Format hat, junge Menschen und solche, die bislang verhalten reagierten, geschickt zur Kunst hinführen zu können. ##Christa Dietrich-Rudas##

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