Dem Symphonieorchester fehlen rund 300.000 Euro

Kultur / 22.01.2013 • 22:01 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Bei größerer Musikerfluktuation befürchtet man, dass Stardirigenten wie Kirill Petrenko das SOV nicht mehr dirigieren werden. Foto: VN
Bei größerer Musikerfluktuation befürchtet man, dass Stardirigenten wie Kirill Petrenko das SOV nicht mehr dirigieren werden. Foto: VN

Präsident Konzett bezeichnet die fällige Geschäftsführer-Suche als kleineres Problem.

Christa Dietrich

Bregenz. Rund 430.000 Euro erhält das Symphonieorchester Vorarlberg (SOV) mittlerweile vom Land. 405.000 Euro waren es noch in der vergangenen Spielzeit, in der der erhöhte Finanzbedarf erstmals thematisiert wurde. Werden die Stufen der Anhebung der Subventionen nicht vergrößert, sieht Präsident Eduard Konzett schwarz für die Zukunft des seit bald 30 Jahren bestehenden Klangkörpers, der pro Saison mehrere Konzertprojekte sowie – in Kooperation mit dem Landestheater – eine Opernproduktion realisiert. Konzett beziffert den Mehrbedarf im Gespräch mit den VN mit 300.000 Euro. Soll der Fortbestand bei gleichbleibender oder auch gesteigerter Qualität gesichert werden, müsste das Budget zumindest in den nächsten Jahren entsprechend angehoben werden.

Bessere Konditionen

Den Bedarf begründet Konzett mit der Tatsache, dass ein Probenhonorar für die Musiker in der Höhe von 50 Euro längst indiskutabel geworden ist, außerdem sollten die Stimmführer (die anderweitig zu weit besseren Konditionen tätig werden können) wenn nicht angestellt, dann wenigstens per Werkvertrag an das Orchester gebunden werden. Andernfalls sei, so der SOV-Präsident, zu befürchten, dass sich nicht nur Chefdirigent Gérard Korsten bald vom Orchester verabschiedet, sondern auch, dass gute Gastdirigenten nicht mehr zu bekommen sind.

Ansonsten beginnt die Talfahrt

„Wenn wir in den Schlüsselpositionen keine Kontinuität herkriegen, kann es sein, dass bald auch Kirill Petrenko absagt“, skizziert Konzett ein negatives Zukunftsszenario. Petrenko, der in Vorarlberg aufwuchs und am Landeskonservatorium zu studieren begann, zählt inzwischen zu den begehrten Pult-Stars. Er dirigiert in Bayreuth, wird Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper und realisiert mit dem SOV einen Mahler-Zyklus. Sein Wegbleiben sowie das von Korsten wäre, so Konzett, der Beginn einer Talfahrt. „Dann sind wir auch bei den Bregenzer Festspielen nicht mehr verwertbar.“

Trennung vom Geschäftsführer

Dass man am Montagabend beschlossen hatte, sich im „gegenseitigen Einvernehmen“ vom langjährigen Geschäftsführer Michael Löbl zu trennen und die Position neu auszuschreiben, dürfte laut Konzett die wesentlich kleinere Hürde sein. Die Saison 2013/2014 sei bereits von Löbl geplant, auch für die weiteren Jahre seien ein paar Absichten formuliert worden.

Michael Löbl wollte sich verändern, werde aber noch bis zum Sommer zur Verfügung stehen. Eine zusätzliche Aufgabe des neuen Geschäftsführers wird es sein, Auslandsgastspiele des Orchesters zu bewirken. Konzett ist sich sicher, dass es trotz der angespannten finanziellen Situation zahlreiche Bewerber geben wird.

Er werde umgehend weitere Gespräche mit Kulturlandesrätin Andrea Kaufmann führen, denn ohne Zusage weiterer Mittel seien über das Jahr 2014 hinaus keine Verträge mit Künstlern abschließbar. ##Christa Dietrich-Rudas##

Auslandsgastspiele des Orchesters zu bewirken, steht bereits im Pflichtenheft des Nachfolgers.

Eduard Konzett
Geschäftsführer Michael Löbl verlässt das SOV. Foto: VN
Geschäftsführer Michael Löbl verlässt das SOV. Foto: VN