Spannende Lehrstunde in Demokratie

Kultur / 22.01.2013 • 21:17 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Abraham Lincoln (1809–1865), gespielt von Daniel Day-Lewis, war der 16. und wohl bedeutendste Präsident der USA. Foto: AP/Twentieth Century Fox
Abraham Lincoln (1809–1865), gespielt von Daniel Day-Lewis, war der 16. und wohl bedeutendste Präsident der USA. Foto: AP/Twentieth Century Fox

Spielberg erzählt in dem für zwölf Oscars nominierten Film von Abraham Lincoln.

Historiendrama. Wie kann man einer Ikone der amerikanischen Demokratie gerecht werden? Es gibt etliche Spielfilme, Dokus und eine Unmenge Biografien über Abraham Lincoln (1809–1865), den 16. und wohl bedeutendsten Präsidenten der USA. Nun stellt Regisseur Steven Spielberg ihn in den Mittelpunkt seines Kinofilms „Lincoln“. Dabei hebt er die Titelfigur aber nicht in den Olymp der Staatsmänner, sondern zeigt einen Politiker, der in einer entscheidenden Phase der US-Geschichte hartnäckig für seine Überzeugungen kämpft – nicht mit Waffen, sondern mit Worten, Witz und Argumenten.

Das für zwölf Oscars nominierte Drama beschränkt sich klug auf die vier Monate im Leben Lincolns, als der Bürgerkrieg seinem Ende entgegenging und der Präsident die gesetzlichen Grundlagen für die Abschaffung der Sklaverei schaffen musste. Es ging ganz profan darum, eine Mehrheit für dieses Ziel zu organisieren, eine Herkulesaufgabe angesichts der Verhältnisse.

Energisch inszeniert

Lincoln macht – ähnlich wie heute Barack Obama – pragmatische Realpolitik, bindet frühere Konkurrenten in sein Kabinett ein, und übt sich nach dem Ausspruch von Max Weber im „Bohren harter Bretter“. Demokratie als mühsames, unglamouröses Geschäft. Für die „New York Times“ entfaltet der Film „eine Lektion in Staatsbürgerkunde, energisch und mit moralischer Verve inszeniert“.

Das pointierte Drehbuch des Pulitzerpreisträgers Tony Kushner zeigt Lincoln als liebenswürdigen, etwas kauzigen Hinterwäldler, ein Provinzanwalt aus Springfield, Illinois, der für sein Leben gern Geschichten erzählt, dies meisterhaft beherrscht, und seinen politischen Scharfsinn und Ehrgeiz mit einer hart antrainierten Schrulligkeit tarnt. Daniel Day-Lewis hat sich diese Figur bis in die letzten Bartspitzen angeeignet, so als hätte er sein Leben lang nichts anderes getan. Für diese Leistung wurde er bereits mit einem Golden Globe ausgezeichnet, der Oscar als „Bester Hauptdarsteller“ dürfte ihm ziemlich sicher sein. Er gibt neben dem Politiker einen fürsorglichen Vater, der seinen ältesten Sohn Robert vor dem Krieg bewahren will, sich rührend um seinen jüngsten Spross Tad kümmert und im Dauerclinch mit seiner Ehefrau Mary liegt.

Keineswegs staubtrocken

„Lincoln“ ist aber trotz des Fokus auf die Politik keineswegs eine staubtrockene Geschichtsstunde geworden, sondern brilliert auch als opulentes Kostümdrama.

Dennoch rassistisch

Die Rolle Lincolns als Befreier der Sklaven in den USA sieht der Mannheimer Historiker Klaus-Jürgen Matz übrigens kritisch. Der US-Präsident habe zunächst die Idee favorisiert, die Schwarzen nach einer Befreiung in die Karibik zu schicken. Zwar sei Lincoln immer gegen die Sklaverei gewesen, aber „eigentlich auch davon überzeugt, dass Schwarz und Weiß nicht miteinander leben können“, sagte Matz.