„Billig können wir uns nicht leisten“

Kultur / 23.01.2013 • 22:56 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das Stadtpalais Liechtenstein in der Bankgasse geht ins Jahr 1691 zurück. Es beherbergt auch Teile der Fürstlichen Sammlungen. Foto: APA
Das Stadtpalais Liechtenstein in der Bankgasse geht ins Jahr 1691 zurück. Es beherbergt auch Teile der Fürstlichen Sammlungen. Foto: APA

Wer rund 5500 Euro hinlegt, kann das Liechtenstein-Stadtpalais in der Bankgasse mieten.

Wien. „Mit großer Freude“ empfing Fürst Hans Adam von und zu Liechtenstein gestern Medienvertreter zu einem Rundgang durch die neu erstrahlten Räumlichkeiten, die am 3. Mai im Rahmen der ersten gebuchten Führung zu sehen sein werden. Im Zentrum stehen vier Veranstaltungsräume, darunter der opulente Spiegelsaal. Die beeindruckende Feststiege, barocke Stuckdecken, üppiges Neo-Rokoko-Interieur, ausladende Luster und filigrane wie farbenfrohe Seidenbespannungen zeugen von der einstigen Opulenz, die nun ins 21. Jahrhundert transferiert wurde.

Der Fürst selbst, der für die Renovierung verantwortlich zeichnet, betrat das Palais erstmals im Jahre 1953, wo sich ihm ein schreckliches Bild bot. „Es gab einen Bombentreffer, und auf dem Dach lag noch ein abgestürztes Flugzeug. Es hat wüst ausgeschaut“, so Hans Adam. Die Schäden nach dem Zweiten Weltkrieg wurden laut Architekt Manfred Wehdorn damals nur „schnell behoben“, zu Beginn der Renovierungsarbeiten vor vier Jahren habe man festgestellt, „dass das Palais nicht in so gutem Zustand war wie erhofft“.

Im Palais selbst will Johann Kräftner, Direktor der Sammlungen, rund 100 Werke von Malerei bis zu Biedermeier-Möbeln zeigen.

Fürst Hans Adam sieht es als Verpflichtung, das Palais „für die Nachwelt zu erhalten“ und es mit Veranstaltungen und Führungen wieder zum Leben zu erwecken. Die Revitalisierung gilt als die „umfangreichste Restaurierung nach wissenschaftlich-denkmalpflegerischen Grundsätzen der letzten Jahre in Wien“. Die Gruppenführungen beginnen am 3. Mai und finden zweimal pro Monat jeweils freitags statt. Die Räumlichkeiten können ab 5500 Euro für Veranstaltungen angemietet werden. Bernhard Krytinar, für das Eventmanagement zuständig, fasste zusammen: „Wir sind nicht billig, das könnten wir uns nicht leisten.“

1694 erworben

Der Bau des Stadtpalais Liechtenstein begann 1691 im Auftrag von Dominik Andreas Graf Kaunitz nach Plänen von Enrico Zuccalli. 1694 erwarb Fürst Johann Adam Andreas I. von Liechtenstein das Gebäude in unvollendetem Zustand, bestimmte es als Majoratshaus und ließ den Bau von Domenico Martinelli unter Einsatz von Künstlern wie dem Stuckateur Santino Bussi, dem Bildhauer Giovanni Giuliani und den Malern Andrea Lanzani und Antonio Bellucci vollenden. Das Palais war von Fürst Johann Adam Andreas I. als Residenz konzipiert worden. Nach der Erneuerung des ursprünglichen liechtensteinischen Majoratshauses in der Herrengasse um 1790 unter Fürst Alois I. von Liechtenstein verlor das Palais in der Bankgasse seine Bedeutung. Fürst Alois II. ließ es in den Jahren 1836 bis 1847 schließlich von Peter Hubert Desvignes im Stil des „Zweiten Rokoko“ umgestalten. Für die Innenausstattung zeichneten Carl Leistler und Michael Thonet verantwortlich, deren prachtvolle Parkettböden mit Einlege­arbeiten nun wieder zu sehen sind.

Architekt Wehdorn mit Constantin und Hans Adam von Liechtenstein.
Architekt Wehdorn mit Constantin und Hans Adam von Liechtenstein.