„Wir müssen Menschen motivieren“

Kultur / 25.01.2013 • 21:05 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Das Ensemble des Vereins Motif arbeitet unter anderem auch mit dem Spielboden Dornbirn und dem Theater Kosmos zusammen. Foto: Kosmos
Das Ensemble des Vereins Motif arbeitet unter anderem auch mit dem Spielboden Dornbirn und dem Theater Kosmos zusammen. Foto: Kosmos

Interkultureller Verein Motif tritt stark auf. Unter anderem mit Arthur Miller.

Christa Dietrich

Bregenz. Allgemeine Teilhabe am Kulturangebot ist ein wesentliches Thema von Yener Polat, Leiter des Interkulturellen Vereins Motif. Konkret fordert er, dass Institutionen wie Museen, das Kunsthaus, aber auch die Festspiele aktiv auf die türkischstämmigen Menschen in Vorarlberg zugehen. Wenn er aktiv meint, dann nimmt er sich selbst nicht aus, denn genau da will man ansetzen. Und fast nebenher erfährt man im Gespräch mit Polat, dass die Gruppe, die schon so viele gute Produktionen auf die Beine gestellt hat, an einem Hammerstück arbeitet, nämlich an der Bühnenadaption des 1981 entstandenen Films „Spiel um Zeit – das Mädchenorchester in Auschwitz“ von Arthur Miller.

Ein harter Brocken ist das, aber keineswegs zu hart für Yener Polat, der die Auseinandersetzung mit politischen Ereignissen schon in die Produktion „Liebien“ einfließen ließ. Manipulation war damals ein wesentliches Thema und man arbeitete mit der Jugendgruppe des Vorarlberger Landestheaters zusammen. Kooperationen mit dem Spielboden bzw. dem Spielbodenchor gab es bereits mehrmals und in der letzten Saison ließ das Theater Kosmos mit „Verrücktes Blut“ von Nurkan Erpulat und Jens Hillje aufhorchen. Um Gewalt in der Schule ging es.

Ein Thema, dessen gesellschaftliche Relevanz von Polat bestätigt wird: „Sie müssen einfach einmal kommen und miterleben, welches Echo so eine Aufführung in den Diskussionen der jungen Menschen, aber nicht nur bei den jungen, sondern über die Generationen hinweg, erzeugt. An diesem Thema werden wir auf jeden Fall dran bleiben.“

Alternativen aufzeigen

Wenn er das sagt, dann meint er das auch so. Es klingt alles so einfach, aber es wird offenbar rasch einmal vergessen, dass es letztlich darum geht, den Heranwachsenden „eine sinnvolle Beschäftigung“ anzubieten. „Warum werden die Menschen aggressiv, warum machen sie Blödsinn?“, fragt Polat und verlangt die Antwort von allen Kulturanbietern im Land.

Brücken schaffen

Polat: „Da leben also etwa 35.000 türkischstämmige Menschen im Land, die eigentlich am Theater- und am Kunstgeschehen teilhaben sollen. Wenn man nicht aktiv auf diese Leute zugeht, dann bekommt man sie auch nicht in die entsprechenden Häuser“, fasst er seine Erfahrungen zusammen. „Wenn diese Leute nie Zuschauer bei den Bregenzer Festspielen werden oder nicht ins Museum gehen, dann entsteht da eine Lücke.“ Brücken zu schaffen, das wäre für ihn eine Lösung. Was Motif dazutun kann, das tut man. Unter anderem mit Theateraufführungen türkischer Künstler oder mit Workshops, bei denen die Menschen erst einmal mit der darstellenden Kunst in Berührung kommen. Etwas, das für die türkischstämmigen Menschen noch weit weniger selbstverständlich sei als beispielsweise für die Vorarlberger Kinder.

Rund 70 aktive Mitglieder hat der Interkulturelle Verein Motif übrigens, sie sind zwischen acht und 36 Jahre alt und somit in Lebensphasen, in denen noch sehr viel Prägung stattfinden kann.

Feuer fangen für Kunst, die zu Reflexion über die eigene Gegenwart führt, ist der eine Mechanismus, den Yener Polat noch stärker vorantreiben möchte. „Wir müssen Menschen motivieren.“

Wenn er demnächst mit den Proben zum erwähnten Arthur-Miller-Stück beginnt, geht es ihm um mehr: „Das Stück bietet für uns eine hervorragende Möglichkeit, unsere jungen Leuter erst einmal mit dem Thema Nationalsozialismus zu konfrontieren.“ Da habe man einen enormen Aufarbeitungsbedarf. ##Christa Dietrich-Rudas##

Dass viele türkischstämmige Menschen am Kulturangebot gar nicht teilhaben, das geht nicht.

Motif-Leiter Yener Polat

Am 27. Jänner, 15 Uhr, tritt der türkische Schauspieler Levent Kirca im Bregenzer Kornmarkttheater auf. Motif veranstaltet am 26. Jänner, 19 bis 22 Uhr, einen Theaterworkshop im Jugendzentrum Between