Eine Trennung als Anlass zum Feiern

Kultur / 27.01.2013 • 21:29 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Thomas Ludescher und sein SBV: Ein Eliteorchester lässt sich nicht aus dem Hut zaubern. Foto: JU
Thomas Ludescher und sein SBV: Ein Eliteorchester lässt sich nicht aus dem Hut zaubern. Foto: JU

Das SBV unter Thomas Ludescher ist heute aufgezogen wie eine große Firma.

Bregenz. Auch eine Trennung kann ein Anlass zum Feiern sein. So hat sich das international renommierte Sinfonische Blasorchester Vorarlberg (SBV) vor einem Jahr aus dem „Mutterschoß“ des Blasmusikverbandes verabschiedet, geht seither als GmbH. mit neuer Organisationsstruktur eigene Wege und hat zum Jahrestag gleich seinen ersten Neujahrsempfang angesetzt. Im „Kornmesser“ tummelten sich gute zwei Wochen nach dem ähnlich gelagerten Event des Landesverbandes Mitglieder des neuen, bereits 60 überzeugte Fans zählenden Fördervereins, Sponsoren und Geschäftsleitung.

Das SBV ist heute aufgezogen wie eine große Firma, mit Organigramm und Kompetenzverteilung auf die einzelnen Gesellschafter. Auf den ersten Blick etwas viel Organisation für ein einziges Konzert pro Jahr. Doch, so Dirigent Thomas Ludescher, will man diesen einen Auftritt jeweils zum raren Event in Topqualität machen, auch erfordert ein Programm mit speziell für diese Besetzung adaptierten Schlüsselwerken der großen Orchesterliteratur wie ein glänzend bewältigter „Sacre du printemps“ von Strawinsky enormen logistischen Aufwand und viel Probenzeit mit ausgesuchten, aber oft weit entfernt wohnenden Spitzenmusikern der Region. Allein an der ausgefeilten Klangkultur wird oft wochenlang gefeilt. Ein Eliteorchester lässt sich eben nicht aus dem Hut zaubern.

Eine SBV-Akademie

Doch das neu formierte Unternehmen birgt auch Zündstoff. Tatsache ist, dass die Entwicklung des SBV als „Zukunftsmodell Blasmusik“ und zuletzt dessen Austritt aus dem Blasmusikverband dort und beim Vorarlberger Musikschulwerk nicht unbedingt gern gesehen werden. Zu schwer, zu anspruchsvoll seien die Programme des SBV, meinen auch gestandene Blasmusiker und wollen das als Vorbildwirkung nicht gelten lassen. Der Brazer Altbürgermeister Werner Walser, ein Blasmusik-Urgestein, ist langjähriger Funktionär in beiden Landesverbänden und nun Vorstand des neuen Fördervereins. Er sieht die gezielte Nachwuchsförderung im ersten Orchestercamp mit 40 Jungmusikern im Vorjahr in Tschagguns nicht als Konkurrenz, sondern als wertvolles zusätzliches Ausbildungsangebot und hofft, dass dort die zukünftige SBV-Akademie, erneut mit „Sonus Brass“-Leuten als Dozenten, als wertvolle Synergie-Effekte erkannt werden. Die Begeisterung für die Sache selbst muss nicht mehr geweckt werden, wichtig ist Walser dagegen, das Verständnis für die Arbeit des SBV in der Bevölkerung zu heben.

Ludescher, zugleich Landeskapellmeister des Blasmusikverbandes, stellt für sein „besonderes Kunst- und Kulturunternehmen SBV“ ein zusätzliches Herbstkonzert sowie in den nächsten Jahren erneute Auftritte bei internationalen Blasmusik-Festivals zumindest in Aussicht. Die unvergessenen Erfolge in Kerkrade bedürften langsam einer Auffrischung.

31. Mai, Festspielhaus Bregenz: Galakonzert des Sinfonischen Blasorchesters Vorarlberg