„Bösen“ König erwartet Rehabilitation

Kultur / 04.02.2013 • 21:56 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Der legendäre, 1485 getöte englische König Richard III. fasziniert die Wissenschaft.

Leicester. Eine Hobby-Historikerin geht im englischen Leicester über einen Parkplatz und fühlt nach eigenen Angaben, dass unter ihr irgendetwas liegt. Auch historische Karten weisen auf den besonderen Ort hin. Die Frau findet Verbündete an der Universität Leicester, kratzt über Sponsoren Hunderttausende Pfund zusammen und setzt eine Ausgrabung durch.

Monatelang steckten Forscher die Köpfe zusammen – und verkündeten gestern schließlich: Die Gebeine des berüchtigten englischen Königs Richard III. sind mehr als ein halbes Jahrtausend nach seinem Tod identifiziert worden. Archäologen, Historiker und DNA-Experten sind sich einig, dass es sich um den Monarchen handeln muss, wie das Team um den Chef-Archäologen Richard Buckley erklärte. Nach Ansicht der Forscher ermöglicht der Fund neue Erkenntnisse über den König und seine Zeit. Mit einer ausgeklügelten Kampagne wurde die Geschichte vermarktet. Ein Fernsehsender drehte eine Dokumentation. Für die Zukunft ist ein Besucherzentrum geplant.

Man hofft nun, mehr über den Monarchen zu erfahren, der nicht zuletzt durch Shakespeares Drama einen katastrophalen Ruf als Tyrann und Kindermörder hat. Die Richard-III.-Society, eine der treibenden Kräfte hinter der Ausgrabung, hofft, ihm jetzt eine ehrenvolleren Platz in der Geschichte sichern zu können. Forscher gehen davon aus, dass eine Schmutzkampagne des Tudor-Geschlechts, der Nachfolger von Richards Plantagenet-Dynastie, für die düsteren Geschichten verantwortlich ist.

Nachfahren ausfindig gemacht

Faszinierend an dem Projekt sind aber nicht nur die Zukunftsaussichten für Forschung, Stadt und Uni. Tatsächlich lässt die Geschichte auch Laien staunen. So fand Stammbaumforscher Kevin Schürer tatsächlich noch Nachkommen der Linie, unter anderem in Kanada. Genetikerin Turi King konnte DNA-Proben nehmen und diese mit der DNA des Skeletts vergleichen – die Übereinstimmung ließ ihr bei der Präsentation vor Freude fast den Atem stocken. Über die Analyse historischer Texte fand Lin Foxhall heraus, dass Richard III. schlank war und einen krummen Rücken hatte. Auch das stimmte mit den Knochenanalysen überein.

Stichwort

Richard III. – zwei Jahre Herrschaft mit Folgen

Richard wurde 1452 geboren. Sein Bruder regierte als König Edward IV. Nach dessen Tod wurde Richard zum Schutzherrn ernannt, da Edwards Sohn erst zwölf Jahre alt war. Doch die Ehe von Edward wurde für ungültig erklärt und Richard III. bestieg den Thron. Im Sommer 1485 scharte Henry Tudor seine Unterstützer um sich, stürzte und tötete Richard in der Schlacht von Bosworth. Shakespeare zeigte Richard in einem Drama als entstellten Despot und Kindermörder. Er war der letzte Herrscher der Plantagenet-Dynastie.