Eine Hitparade und Herausforderung

Kultur / 04.02.2013 • 21:56 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Das Ensemble mit Judith Schmid, Quinn Kelsey, Aleksandra Kurzak und Saimir Pirgu erbringt tolle Leistungen. Foto: Michel/Opernhaus
Das Ensemble mit Judith Schmid, Quinn Kelsey, Aleksandra Kurzak und Saimir Pirgu erbringt tolle Leistungen. Foto: Michel/Opernhaus

Emotionen rein, Kitschfaktor raus – so ist das beim neuen „Rigoletto“ von Verdi.

Zürich. (VN-tb) Der wunderbare Leo Nucci hat sich uns hier ins Ohr gegraben, hat auch Seh-Eindrücke geprägt. Aber jetzt gibt es am Zürcher Opernhaus einen neuen, starken Rigoletto. Es ist der Hawaiianer Quinn Kelsey, ein Mann von imposanter Statur, der über eine prachtvolle, resonanzreiche Baritonstimme verfügt.

Am Premierenabend der Neuproduktion von Verdis Oper hat Kelsey die Rolle des Narren, der seine geliebte Tochter vor einer Welt retten will, in der er selbst den zynischen Spaßmacher gibt, mit jeder sängerschauspielerischen Faser gefüllt. Bravo!

„Rigoletto“ ist ja überhaupt fast eine Hitparade und damit, vor dem Hintergrund des kollektiven und privaten Hörgedächtnisses, eine unbarmherzige Herausforderung für Interpreten aller drei Hauptrollen. Insofern haben neben Quinn Kelsey auch Aleksandra Kurzak und Saimir Pirgu tolle Leistungen erbracht – die vom Premierenpublikum gleichfalls mit entsprechendem Applaus quittiert wurden. Bei oft ganz zart schwebenden Piani und entrückten Melismen zog Kurzak ihre Sopranlinien und und ließ Rigolettos Tochter, zwischen einschnürender Vaterliebe und Verprelltwerden durch einen Womanizer, ihren Weg zur finalen Selbstopferung gehen.

Pirgu trumpfte als herzoglicher Playboy mit tenoraler Strahlkraft auf. Auch Sparafucile (Christof Fischesser), Magdalena (Judith Schmid) und die weiteren Rollen erwiesen sich als trefflich besetzt, und die Einstudierung des Herrenchors durch Ernst Raffelsberger hat schöne Früchte getragen.

Übers Ziel hinausgeschossen

In ihrem Hausdebüt zeigt die Regisseurin Tatjana Gürbaca, Schülerin auch von Berghaus und Konwitschny, sorgfältig Machtvakuum und Wertezerfall an dem Hof von Mantua, verweist auf männerbündlerische Frauenverachtung und Aggressionen. Wenn dann der Herzog im dritten Akt „La donna è mobile“ an Gilda gerichtet singt, mag das von seinem Ärger her rühren, dass er mit dieser Frau nicht ein erfüllteres Leben gewagt hat. Mit Klaus Grünbergs arg spartanischem, von einem monumentalen Tisch geprägten Einheitsbühnenbild auf schiefer Ebene (man merke: Diese Welt ist in Schräglage) wird leider übers ehrbare Ziel, die Essenz des Werkes herauszupräparieren, hinausgeschossen.

Überzeugend, wie Graf Monterone, der seinen Fluch gegen Rigoletto schleudert, und der Berufskiller Sparafucile auch wie (Selbstgesprächs-)Abspaltungen von Rigoletto erscheinen. Gewisse Verfremdungseffekte, Verspieltheiten oder in den Abend hereingrüßende surreale Gestaltungselemente muten allerdings nicht immer wirklich erfrischend an.

Luisi erreicht Präzision

Generalmusikdirektor Fabio Luisi am Dirigentenpult seiner Philharmonia Zürich pocht mit Erfolg auf Spielpräzision, sauber „atmende“ Phrasierung und Durchhörbarkeit bei gleichzeitiger emotionaler Vergegenwärtigung ohne Kitschfaktor.

Nächste Vorstellungen an der Oper Zürich: 5., 8., 10., 13., 17. und 26. Februar. Dauer: zweieinhalb Stunden. www.opernhaus.ch