Liebe und Musik sind kraftvoll

Kultur / 05.02.2013 • 19:40 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Regisseur Dustin Hoffman mit Operndiva Gwyneth Jones. Foto: AP
Regisseur Dustin Hoffman mit Operndiva Gwyneth Jones. Foto: AP

Charmant: Vier ­Musikstars treffen in einem Seniorenheim aufeinander und ­planen einen Auftritt.

Drama. Die Filmindustrie entdeckt den demografischen Wandel: Nach „Best Exotic Marigold Hotel“ und „Und wenn wir alle zusammenziehen“ kommt mit „Quartett“ ein weiterer Film über eine Art Alters-WG in die Kinos. Der 75-jährige Hollywood-Star Dustin Hoffman wählte diesen Stoff für sein Regiedebüt und beschreibt unaufgeregt, sehr charmant und stets mit einem Augenzwinkern das Älterwerden. Fast spielerisch widmet er sich selbst ernsten Themen wie Demenz und Vereinsamung.

Man fühlt sich zunächst ein bisschen wie bei „Hanni & Nanni“. Die Filmhelden von „Quartett“ sind zwar keinem Geheimnis auf die Spur, jagen auch keine Verbrecher und sie leben auch nicht in einem Internat. Doch auch in dieser Komödie geht es um Freundschaft, Rivalität und die Rettung der eigenen Bleibe. Und die ist eben nicht ein idyllisch gelegenes Internat, sondern ein ebensolches Altenheim.

Beecham House ist eine Seniorenresidenz für betagte Opernsänger und Musiker. Schaut man sich das herrschaftliche Haus inmitten eines Parks in englischer Landschaft, die Kleidung der Bewohner sowie Service und Betreuung an, liegt die Vermutung nahe, dass sie allesamt in ihrer aktiven Zeit durchaus erfolgreich waren. Die vier Hauptfiguren waren es allemal: Vor 30 Jahren spielten sie gemeinsam Verdis „Rigoletto“ ein und gingen insbesondere mit einem Quartett in die Musikgeschichte ein. Nun treffen sie im Beecham House wieder aufeinander.

Und es kündigt sich ein Neuzugang an: Die berühmte Sopranistin Jean Horton (Maggie Smith), die einst mit den anderen zusammen die Oper eingespielt hatte. Immer noch ganz die Diva, separiert sie sich von den anderen, wohl aus Angst zu versagen.

Angst und Freundschaft

Kurzum, „Quartett“ handelt nicht nur vom Älterwerden, sondern von Verletzungen, Enttäuschungen und Freundschaften, von der Angst vor dem Versagen. Es geht um die Kraft der Musik und des Musizierens, nicht nur der klassischen Musik. Denn es geht auch um Giuseppe Verdi, der in Mailand ein Altenheim für Musiker gründete und dessen Musik diesem Film Leichtigkeit und Dramatik zugleich verleiht.

Den sprühenden Charme seines Debüts verdankt Hoffman aber seinem großartigen Cast, wobei neben dem Quartett unbedingt Michael Gambon erwähnt werden muss. Der Auftritt der weltweit gefeierten Opernsängerin Gwyneth Jones gerät zu einem der Höhepunkte sowie einer Schlüsselszene des Films. Da nämlich wird klar, dass es im Leben eines Musikers immer um die Musik geht, egal wie alt man ist.