Urfassung wird „Bombe“

Kultur / 07.02.2013 • 21:59 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Cellist und Dirigent Thomas Platzgummer wird Verdis Oper „La Traviata“ dirigieren. Foto: Landestheater
Cellist und Dirigent Thomas Platzgummer wird Verdis Oper „La Traviata“ dirigieren. Foto: Landestheater

Der gebürtige Dornbirner Thomas Platzgummer steht erstmals auch am Pult des SOV.

Bregenz. „La Traviata“ von Guiseppe Verdi ist eine der erfolgreichsten Opern der Welt. Sie wird vom Dornbirner Thomas Platzgummer nun am Landestheater dirigiert. Die VN sprachen mit dem Vorarlberger über die neue Herausforderung.

Man kennt Sie vor allem als Continuo-Cellisten im Barock. Wo haben Sie, außer im Montafon, Ihre Opernerfahrungen als Dirigent gemacht?

Thomas PLATZGUMMER: Ich habe mit 15 bei Guntram Simma den ersten Dirigierunterricht gehabt, das gab mir den Anstoß zum Musikstudium. Zunächst hat mich das Cello mehr interessiert, dann ergab sich ein Engagement als musikalischer Leiter bei den Murauer Operettenfestspielen, und ab 2003 in der von mir mitbegründeten Kammeroper Graz mit zahlreichen Barockopern.

Es gibt Leute, die glauben nach „André Chénier“ am See, auch Verdis „La Traviata“ sei eine Oper des Verismo?

Platzgummer: Rein fachlich stimmt das nicht. Aber es gibt einige sogenannte Verismo-Opern, die weniger Elemente dieses Stils besitzen als „La Traviata“, obwohl Verdi vom späteren Verismo noch nichts gewusst hat.

Wie wollen Sie Ihre erste „Traviata“ nun musikalisch anlegen?

Platzgummer: Ich habe mir als Besonderheit eine Partitur des Urtextes dieser Oper beschafft, und wir spielen deshalb auch die ungekürzte Version der Zweitfassung aus dem Jahr 1854. Was auch deshalb spannend ist, weil diese Fassung heute selten zu hören ist. Das wird sonst immer alles zusammengestrichen.

Birgt das nicht die Gefahr gewisser Längen für das Publikum?

Platzgummer: Theoretisch ja, praktisch aber ist das genau die Herausforderung an mich und auch an den Regisseur Alexander Kubelka, der sich dafür etwas einfallen lassen muss (lacht). Auch für die Sänger ist es strapaziös, speziell für Alfredo. Seine Cabaletta wird ja oft gar nicht gespielt, im besten Fall einmal gesungen. Aber Verdi hat das zwei Mal komponiert, und das wird bei der Vorstellung eine „Bombe“ sein.

Besondere Aspekte ergeben sich durch die Platzierung des Orchesters auf der Bühne des Kornmarkttheaters, weil es im Orchestergraben keinen Platz hat.

Platzgummeri: Das Ganze hat mit der Auswahl des Stückes begonnen, und da wurden zunächst viele Ideen diskutiert. Aber schlussendlich war dann einfach klar: Wenn es die „Traviata“ ist, gibt es nur diese Lösung.

Das bringt auch für den Dirigenten ungewohnte Anforderungen mit sich?

Platzgummer: Die Situation ist nicht wirklich neu für mich, aber auch hier wird der Dirigent natürlich oft zum Schauspieler. Akustisch und in der Korrespondenz mit den Sängern gibt es dank Monitoren keine Probleme, oft sind Sänger und Orchester dadurch sogar ganz eng verbunden.

Wie ist das Ensemble zustande gekommen?

Platzgummer: Es hat ein Vorsingen gegeben, und da gab es große Diskrepanzen. Von den 50 Violettas waren sicher zehn, die man sofort auf die Bühne hätte stellen können. Aber die Georgierin Tatjana Larina war dann unsere eindeutige Favoritin. Bei den anderen Partien haben wir noch zusätzliche Vorsingen gemacht, weil wir noch Besseres wollten.

Nebenrollen sind fast durchwegs mit jungen Vorarlbergern besetzt.

Platzgummeri: Da hat uns Michael Löbl bei der Auswahl sehr geholfen, der diese Sänger gekannt und schon mit ihnen gearbeitet hat.

Welche Erwartungen haben Sie für diese Produktion?

Platzgummeri: Ich hoffe, wir schaffen es gemeinsam, dass dieVorstellung ein überwältigendes Ereignis wird!

Zur Person

Thomas Platzgummer

Dirigent und Cellist

Geboren: 1973 in Dornbirn

Ausbildung: Ausbildung zum Cellisten und Dirigenten in Feldkirch, Salzburg, Wien und Graz, intensive Beschäftigung mit Alter Musik, Neuer Musik, Oper und Operette

Tätigkeit: Musikalischer Leiter der Murauer Operettenfestspiele und der Kammeroper Graz, Dirigent beim Orgien-Mysterientheater von Hermann Nitsch , Mitwirkung bei den Bregenzer Festspielen, der Styriarte, dem Steirischen Herbst, Cellist beim Vorarlberger Barockorchester „Concerto Stella Matutina“, Dirigate beim „Montafoner Sommer“.

Verdis Oper „La Traviata“
im Theater am Kornmarkt:
Premiere: 13. Februar, 19.30 Uhr