Was Haneke derzeit erlebt, übertrifft alles Bisherige

Kultur / 22.02.2013 • 19:52 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Bei der 85. Verleihung hat Haneke Chancen auf fünf Awards. Auch Waltz darf auf einen Goldjungen hoffen.

Los Angeles. Der rote Teppich am Hollywood Boulevard ist, trotz Verspätung, endlich verlegt. Nun kann eigentlich fast nichts mehr schiefgehen vor der 85. Oscar-Verleihung, die Sonntagnacht im Dolby Theatre in Los Angeles über die Bühne geht.

Chancen für „Amour“

Österreich hat mit Michael Haneke und Christoph Waltz die Chance auf insgesamt sechs Oscars. Michael Haneke hat in seiner langen Karriere schon zahlreiche Preise gewonnen – doch das, was er derzeit mit „Liebe“ erlebt, übertrifft seine bisherigen Erfolge. Denn das still inszenierte Kammerspiel um die letzten Tage eines älteren Ehepaares gewinnt seit Monaten eine Auszeichnung nach der anderen. Zuerst gab es die Goldene Palme, den Hauptpreis des Filmfestivals Cannes, wo das Werk im vergangenen Mai seine Weltpremiere feierte. Seitdem kamen weltweit rund 30 Auszeichnungen hinzu, darunter europäische Filmpreise und ein Golden Globe. Sonntagnacht könnte ein Goldjunge folgen. „Amour“, wie der Film im französischen Original heißt, ist für fünf Oscars nominiert: Als bester Film, für die Regie, für das Originaldrehbuch, für die Hauptdarstellerin (Emmanuelle Riva) und in der Sparte nicht-englischsprachiger Film. Die Nominierungen für „Amour“ haben dem österreichischen Filmemacher viel Liebe in den USA eingebracht: Selbst Steven Spielberg, wohl härtester Konkurrent in der Regie-Kategorie, habe ihm eine Geschenkkiste und Gratulationen gesandt, erzählte Haneke. Auch US-Kritiker sind fasziniert von „Amour“. Der Film sei unvergesslich und eine zweistündige Tortur, die man jedoch nicht bereuen werde, war sich „San Francisco Chronicle“ sicher.

Würde Geschichte schreiben

Nur drei Filme wurden in der Geschichte der Oscars bisher sowohl in der Auslandskategorie als auch für den besten Film nominiert, und alle drei wurden in der Folge zum besten ausländischen Film gekürt. In der Regie-Kategorie wäre Haneke zudem der erste, der die Trophäe für ein nicht-englischsprachiges Werk erhält.

Seinen ersten Oscar in der Auslandskategorie dürfte sich Haneke laut Experten und Wettbüros dennoch ebenso fix abholen wie Daniel Day-Lewis seinen dritten für die Darstellung des US-Präsidenten Abraham Lincoln und Anne Hathaway für ihre Nebenrollen-Performance im Musical „Les Misérables“. Ben Afflecks Thriller „Argo“ gilt zudem als großer Favorit für den besten Film – in allen weiteren Kategorien ist aber noch alles möglich. Zum zweiten Mal könnte auch der deutsch-österreichische Schauspieler Christoph Waltz Oscar-Gold holen. Er ist für seine Nebenrolle in Quentin Tarantinos Sklaven-Western „Django Unchained“ nominiert. Waltz hatte 2010 seinen ersten Oscar als bester Nebendarsteller mit dem Tarantino-Film „Inglourious Basterds“ gewonnen. „Django Unchained“ zieht mit insgesamt fünf Nominierungen in das Trophäen-Rennen.

Gestern ist auch Bildungsministerin Claudia Schmied nach Los Angeles gereist. Sie wird dort am Sonntag an der Oscar Viewing Party in der österreichischen Residenz teilnehmen. „Ich freue mich sehr darauf und werde vor Ort die Daumen drücken. Schon die Nominierungen sind ein großer Erfolg und eine hohe Auszeichnung“, so die Bundesministerin.