Alle Besucher sind nun immer sehr willkommen

Kultur / 20.03.2013 • 21:35 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das neue Kuratorenteam: Tilo Schulz, Sandra Boeschenstein, Jörg van den Berg, Schirin Kretschmann mit Magazin-4-Leiter Wolfgang Fetz. Foto: Alexandra Serra
Das neue Kuratorenteam: Tilo Schulz, Sandra Boeschenstein, Jörg van den Berg, Schirin Kretschmann mit Magazin-4-Leiter Wolfgang Fetz. Foto: Alexandra Serra

Mit einem „Verhau“ aus 50 Künstlern und 50 Werken lanciert das Magazin 4 ein neues Ausstellungskonzept.

Bregenz. (VN-ag) Das Gefühl, am falschen Tag oder zur falschen Zeit gekommen zu sein, könnte die Besucher des Magazin 4 demnächst öfter beschleichen. Denn wo sonst statisch, über die Dauer einer Ausstellung, Kunst zu sehen war, wird nun laufend umgehängt und verändert.

Hintergrundrauschen

Schließzeiten, Auf- und Abbauphasen sind passé, der Besucher aber jederzeit willkommen. Und es gibt fünf Abende, an denen sich die Ereignisse verdichten. Grund dafür ist eine völlig neue Programmstruktur, über die Magazin-4-Direktor Wolfgang Fetz und der deutsche Ausstellungsmacher Jörg van den Berg, die dem neuen kuratorischen Team vorstehen, gestern informierten.

Nach 20 Jahren Ausstellungspraxis, in denen das Magazin 4 eine Vorreiterrolle gespielt und mit hohem Anspruch und ausgeprägtem Profil noch vor dem Kunsthaus Bregenz als erste Institution in Vorarlberg zeitgenössische internationale Kunst gezeigt hat, geht man neue Wege. Zumindest die beiden nächsten Jahre, auf die der nach allen Seiten offene, dynamische Prozess „six memos for the next …“ angelegt ist.

Der Arbeitstitel ist einem Werk von Italo Calvino entlehnt und gibt mit „Begriffen von großem Haltbarkeitsdatum“ (Fetz), wie Leichtigkeit, Anschaulichkeit oder Vielschichtigkeit, die Rahmenstruktur vor für das insgesamt 6-köpfige Kuratorenteam aus Künstlern, Autoren und Ausstellungsmachern. Diese Begriffe werden jedoch nicht illustriert, sondern bilden vielmehr das „Hintergrundrauschen“ (Fetz) für die Ereignisse im Ausstellungsraum. Auch der Titel der ersten Ausstellungsaufführung „Verhau“ stammt aus der Literatur.

Das Publikum kitzeln

Dient „Verhau“ heute als Metapher für Vielschichtigkeit und meint umgangssprachlich Unordnung, so bezeichnete der Verhau früher eine schützende Einfassung um ein Dorf.

Im Magazin 4 warten als „Schläfer“ im „Verhau“ indes nicht weniger als 50 bunt durchmischte Werke von 50 international agierenden Künstlern. Diese bleiben bis Oktober in Bregenz, werden in wechselnden Konstellatio­nen im Ausstellungsraum positioniert und verändern so ihren Bedeutungsspielraum. Erstmals am Freitag, 22. März, wo zwischen 19 und 23 Uhr die Künstler im anfänglich noch leeren Raum ihre Werke aufführen, während die Kuratoren inszenieren und moderieren, und das Publikum auf das reagiert, was sich zeigt. Wer eine traditionelle Eröffnung mit Vernissagerede erwartet, wartet vergeblich. Angestrebt wird eine neue Begegnung zwischen Kunst, Künstler und Betrachter, als Kitzeln des Publikums, und das verspricht unter vielen Aspekten durchaus spannend zu werden.

Forschungsprojekt

Dennoch gibt es keine Erfolgsgarantie. „six memos for the next …“ versteht sich als Forschungsprojekt für ein zukünftiges Ausstellen von Kunst und zur Not, so Jörg van den Berg, müsse man sich auch beim Scheitern zugucken lassen. Beim Scheitern wollen wir nicht unbedingt zuschauen, wohl aber und gerne auch öfters, weil ja ständig etwas Neues passiert, bei den kleinen und größeren Verschiebungen im „Verhau“.

Begegnungen zwischen Werk, Künstler und Publikum orden sich neu. Der Prozess ist radikal offen.

Wolfgang Fetz

Aufführung „Verhau“ am 22. März, 19 bis 23 Uhr, Magazin 4, Bregenz, Bergmannstraße 6. Bis 6. Juli sind unterschiedliche Inszenierungen aus diesem Konvolut von 50 Werken und Künstlern zu sehen. jeweils Di bis So, 14 bis 18 Uhr