An den Fundamenten der Kunstszene gerüttelt

Kultur / 21.03.2013 • 20:27 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Albért Bernàrd, das sind Albert Allgaier und Bernhard Garnicnig aus Bregenz. Foto: A. Grabher
Albért Bernàrd, das sind Albert Allgaier und Bernhard Garnicnig aus Bregenz. Foto: A. Grabher

Die Galerie Lisi Hämmerle präsentiert eine Ausstellung als spannenden Prozess.

Bregenz. (VN-ag) Die These ist gewagt, hat aber etwas für sich: Der White Cube ist für die Kunst eigentlich ein schwarzes Loch, in dem sie verschwindet und nichts mehr mit ihr passiert.

Propagiert wird dies von Albért Bernàrd in der Galerie Lisi Hämmerle, und mit einer Performance zur Eröffnung von „white cube/black hole“ wurde der Beweis auch gleich angetreten.

Ein Name, zwei Künstler

Albért Bernàrd? Klingelt es bei dem Namen? Genau, in keinem Künstlerlexikon zu finden, war Albért Bernàrd im vergangenen Jahr in dem von Barbara Anna Husar in Schnifis kuratierten Kunstraum 12c zu Gast. Damals ortete man noch die Krise in der Konzeptkunst. In diesem Jahr ist die Kunst- und Künstlerfigur, geboren 1983 in Bregenz, für die Albert Allgaier und Bernhard Garnicnig, geboren 1983 in Bregenz, Kunst produzieren, bereits einen Schritt weiter.

Zieht Konsequenzen, bei denen kein Bild auf dem anderen bleibt und liefert, durchaus selbstironisch, der Gesellschaft des Spektakels einen weiteren Event.

Sechs eigens für Bregenz („erstmals daheim, und erstmals im White Cube“, so A.B. doppeldeutig) produzierte Serien, darunter eine ellenlange, zerstückelte Zeichnung oder aber die malerisch überarbeiteten Greatest Hits der abstrakten Malerei, wurden, jede für sich, Serie für Serie, von groß nach klein, in der Eröffnungsperformance kurz aufgehängt. Nach jeder der sechs Vernissagereden verschwanden die Werke in einer Ecke des Galerieraumes, wie in einem schwarzen Loch, wo während der Dauer der Ausstellung, auf- und nebeneinander, alles weiterhin vorhanden ist, wenn auch in anderer Form.

Ein Kommentar

Alle Ähnlichkeiten mit realen oder demnächst zu eröffnenden Ausstellungen sind rein zufällig, oder? Oder liefert Albért Bernàrd mit schlicht gemachten Werken, die durchaus Witz haben, aber stark vom Konzept leben, einen Kommentar zur aktuellen Kunstszene?

Als „Grauzone zwischen spiritueller Erkenntnis und totaler Zufälligkeit“ sieht Albért Bernàrd die Ausstellung, die nach zahlreichen internationalen Aktionen die erste Soloschau in der Heimatstadt Bregenz ist.

Spröder Charme

Nach eigener Aussage seit 30 Jahren mit der Erweiterung des Skulpturbegriffs in Raum und Zeit befasst, rüttelt Albért Bernàrd an den Fundamenten des Systems Kunst, die sich „als eine Partie Schach, nur ohne Würfel“ (A.B.) präsentiert.

Man muss nicht alles verstehen in dieser besonderen Kunstwelt, darf aber staunen und sich verführen lassen von Gedanken, die ins Bodenlose gehen, oder Werken, die den spröden Charme von knatschgrünem Rasenteppich und kunstfremden Materialien versprühen.

Geöffnet bis 27. April in der Galerie Lisi Hämmerle in Bregenz (Anton- Schneider-Straße 4a), Mi bis Fr, 14 bis 18 Uhr, Sa, 10 bis 12 und 14 bis 16 Uhr