Aus dem Schein wird ein Sein

Kultur / 21.03.2013 • 22:45 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ab 21. Juni wird allen Besuchern dieser Ausblick aus dem Panoramafenster im Obergeschoss des Vorarlberg Museum in Bregenz gewährt. Foto: VN/Steurer
Ab 21. Juni wird allen Besuchern dieser Ausblick aus dem Panoramafenster im Obergeschoss des Vorarlberg Museum in Bregenz gewährt. Foto: VN/Steurer

Die Leitung des Vorarlberg Museum bot nun offiziell erste Aus- und Einblicke.

Bregenz. „Vorarlberg sichten“ nannte Andreas Rudigier im Gespräch mit den VN schon vor einigen Wochen sein Konzept für das Vorarlberg Museum in Bregenz, das in drei Monaten eröffnet wird. Sichten steht dabei vor allem für die Geschichte des 19. und
20. Jahrhunderts. Die Frage „wie Vorarlberg zu dem ­geworden ist, was es ist“ rücke, so der Direktor, dabei in den Mittelpunkt. Landwirtschaft, Tourismus, Konservatismus, Emigration, Textilwirtschaft mit viel Heimarbeit, die die Ar­beiterbewegung außen
vor hielt etc. waren die Schlagworte, die gestern bei der offiziellen Vorstellung der Eröffnungsausstellungen konkretisiert wurden. Man liege sowohl bei den Baukosten mit 35,3 Millionen Euro als auch bei der Zeit im Plan, hieß es gestern.

Ereignisse präsent machen

Kultur-Landesrätin Andrea Kaufmann freute sich, dass mit dem Vorarlberg Museum das letzte Glied der Bregenzer Kunstmeile (alte Post, Landestheater, Kunsthaus) eingefügt wird. Neben der Ausstellungstätigkeit erwartet sich Kaufmann auch einen Schwerpunkt in der Forschung. Das neue Haus soll nach den Vorstellungen der scheidenden Ressortchefin, die im Mai als Bürgermeisterin nach Dornbirn wechselt, ein „Haus für das Land und seine Bevölkerung“ werden. Andreas Rudigier bekräftigte, es gehe dem Museum unter verschiedenen Aspekten sowohl um die Geschichte als auch um die Gegenwart des Landes. Im zweiten Obergeschoss erlaubt die von Rudigier geleitete Ausstellung „Buchstäblich Vorarlberg“ mit rund 3000 Exponaten inszenierte Einblicke in die Sammlungsdepots. Das dritte Geschoss ist mit „Römer oder so“ der Archäologie des Gräberfeldes von Brigantium gewidmet. Auf der gleichen Etage findet eine adaptierte Sonderausstellung des Museums für Völkerkunde über die Handelsbeziehungen zwischen Lustenauer Stickern und Nigeria Platz.

Neue Wege der Präsentation und Annäherung versucht das Museum mit den Ausstellungen „Vorarlberg – Ein Making of“ sowie „Sein & Mein. Ein Land als akustische Passage“. Kurator Markus Barnay versteht seine auf fünf Jahre flexibel angelegte Schau als „kritische Reflexion über die Konstruktion Vorarlbergs sowie über den Beitrag des Vorarlberger Landesmuseums zu dieser Konstruktion“. Beantwortet soll u. a. werden, wie Vorarlberg zu dem wurde, was heute wahrnehmbar ist. „Sein & Mein“ will via Sprache, Musik oder Geräusche zurückliegende, vergessene oder verdrängte Ereignisse präsent machen.

Landesrätin Andrea Kaufmann und Direktor Andreas Rudigier: Das Museum soll ein Haus für das Land und seine Bevölkerung werden. Foto: VN/Steurer
Landesrätin Andrea Kaufmann und Direktor Andreas Rudigier: Das Museum soll ein Haus für das Land und seine Bevölkerung werden. Foto: VN/Steurer
Museumsfront am Kornmarkt. Das Haus wird am 21. Juni eröffnet. Foto: VN/Steurer
Museumsfront am Kornmarkt. Das Haus wird am 21. Juni eröffnet. Foto: VN/Steurer
Abendkleid von Frank Osodi für House of Bunor aus Stoffen von Lustenauer Firmen. Foto: VM
Abendkleid von Frank Osodi für House of Bunor aus Stoffen von Lustenauer Firmen. Foto: VM

Eröffnungsausstellungen ab 21. Juni

Buchstäblich Vorarlberg

26 Objektgruppen repräsentieren den Bestand

Leitung: Andreas Rudigier

Lustenau Lagos African Lace

Geschichte der Handelsbeziehungen

Leitung: Theresia Anwander

Römer oder so

Zum Gräberfeld in Brigantium

Leitung: Lisa Noggler-Gürtler, Gabriele Rath

Vorarlberg – Ein Making of

Kritische Reflexion über die Geschichte

Leitung: Markus Barnay

Sein & Mein – Ein Land als akustische Passage

Menschen des Landes werden zu Protagonisten

Leitung: Bruno Winkler