Gesucht wird dieser junge Mann

Kultur / 21.03.2013 • 22:45 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das ist die einzige Aufnahme aus den Jahren 1920 bis 1940, die Ursula Krinzinger noch nicht zuordnen konnte. Foto: Humpeler
Das ist die einzige Aufnahme aus den Jahren 1920 bis 1940, die Ursula Krinzinger noch nicht zuordnen konnte. Foto: Humpeler

Die Wiener Fotografin Angelika Krinzinger greift auf die Bregenz-Fotos ihres Großvaters zurück.

bregenz. (VN-ag) Ihren aus Bregenz stammenden Großvater mütterlicherseits hat Angelika Krinzinger nie kennengelernt. Geerbt hat sie nicht nur sein Auge und seine Begeisterung fürs Fotografieren, sondern auch einen Satz Negativ-Platten aus seinem Besitz. Daraus ist die aktuelle Werkreihe „I never met my grandfather“ – zu sehen in der Galerie Arthouse – entstanden.

Wer kennt ihn?

Eines der zwischen 1920 und 1940 aufgenommenen Bregenz-Motive zeigt als s/w-Fotografie einen jungen Mann an der Bregenzer Seepromenade, im Hintergrund markant das Postgebäude, das Hotel Post und der Dampfer „Stadt Bregenz“. Wen ihr Großvater da fotografiert hat, weiß Angelika Krinzinger nicht, hofft aber, es über die Ausstellung herauszufinden. Denn neben einer Fotografie von einer kleinen Brücke, die aus der Reihe der 9×12 cm großen Bilder stammt, ist es das einzige Werk in der Ausstellung, das sich (noch) nicht zuordnen lässt.

Für die eigens für Bregenz geschaffene Serie hat die gelernte Fotografin die Glasplatten ihres Großvaters Friedrich Humpeler bearbeitet, ohne ins Motiv oder den Bildausschnitt einzugreifen. Die Möglichkeiten modernster, schnelllebiger, digitaler Technik auslotend und eine Brücke zur analogen Fotografie von damals schlagend, wurden einzelne Motive zum überdimensionalen Pigmentprint vergrößert, sodass man als Betrachter unweigerlich in die Aufnahme eintritt. Diese sind einerseits historische Dokumente (wie ein Bild der Seegfrörne von 1929) und klassische Motive der Zwischenkriegszeit, andererseits überzeugen sie durch ihre für einen Hobby-Fotografen ungewöhnlich präzise Komposition und den durchdachten Bildaufbau.

Mit der Muttermilch

Mit „I never met my Grandfather“ will Angelika Krinzinger die Erinnerung an ihren Großvater aufleben lassen und begibt sich auf die Suche nach der verlorenen Zeit ihres Ahns. Ihre eigene Zeit als Künstlerin verbringt die Fotografin, die in der elterlichen Galerie mit Kunst groß geworden ist, ausschließlich seriell arbeitet und ein Thema stets bis zum Schluss ausreizt ansonsten eher mit Details, Oberflächen und Körpern. Wie zuletzt im vieldeutig betitelten Zyklus „Muttermilch“, in dem sich Angelika Krinzinger mit den Werken der alten Meister aus dem Wiener Kunsthistorischen Museum befasst hat. Immer wieder habe sie gehört, sie habe die Kunst mit der Muttermilch aufgesogen, nennt Angelika Krinzinger als Inspiration zum Zyklus. Das mag schon stimmen, aber genauso erheblich ist wohl der genetische Anteil, den ihr der fotografierende Großvater vermacht hat.

Zur Person

Angelika Krinzinger

Geboren: 1969 in Innsbruck

Ausbildung: klassische Fotografenausbildung

Laufbahn: zahlreiche Ausstellungen u. a. in Wien, Köln, Madrid und New York

Wohnort: Wien

Die Ausstellung ist in der Galerie Arthouse in Bregenz
(Römerstraße 7) bis 13. Apri geöffnet, Mo bis Fr, 14 bis 18 Uhr