Am Ende kam der Zauber

Kultur / 22.03.2013 • 19:28 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das Ensemble „conSequenza.“ wurde 2002 von Thomas Engel gegründet. Foto: jurmann
Das Ensemble „conSequenza.“ wurde 2002 von Thomas Engel gegründet. Foto: jurmann

Generalprobe zur ersten „Pforte“ der Saison kam nur langsam in Fahrt.

FELDKIRCH. Vor einiger Zeit haben die „Pforte“-Macher für ihre Reihe die öffentliche Generalprobe erfunden, um neben den stets ausgebuchten Konzerten tags zuvor ein weiteres Platzangebot zu schaffen mit einer Aufführung, die sich qualitativ kaum vom späteren Konzert unterschied. Nicht so am Donnerstag, als der Abend zum Saisonstart mit dem Ensemble „conSequenza.“ nicht und nicht in die Gänge kommen wollte.

Schon nach wenigen Minuten der erste „Ausstieg“ der Musiker, kurz danach an derselben Stelle wieder. Verlegenes Lächeln, Unsicherheit am Podium, ungläubiges Staunen im Saal. Leiter Thomas Engel überbrückt mit Charme und der Flucht nach vorn („Schade um das schöne Stück“), hält das Publikum auch wie gewohnt gekonnt mit musikologischen Infos und Anekdoten bei Laune. Dazu kommt das Problem der Stimmung der Instrumente. Im allzu gut geheizten Saal geht die Orgel nach oben, das Cembalo nach unten, die Saiteninstrumente müssen stets nachgestimmt werden.

Sorgfältige Programmwahl

Bleibt die Frage, wie eng man den Begriff Generalprobe auslegt. Wer zum ermäßigten Preis ein vollgültiges Konzert erwartet hat, ist enttäuscht, wem eher eine Werkstatt-Atmosphäre behagt, der ist hier richtig. Abgesehen von solcherlei Ungereimtheiten, die möglicherweise bis zum gestrigen offiziellen Konzert bereinigt wurden, ist das ein durchaus interessanter Abend mit sorgfältiger Programmwahl aus dem Spannungsfeld der Musik des 17. Jahrhunderts.

Musik kommt in Fahrt

Die Italiener eroberten damals mit ihrem mitreißend eleganten Stil den Kontinent, dieser Konkurrenz stellten sich die Engländer mit konservativer Eigenständigkeit und britischer Coolness entgegen. Die Musikbeispiele illustrieren diese Gegensätze anschaulich, etwa zwischen den sanft fließenden Canzonen eines Frescobaldi und einer prächtigen Tanzsuite von Purcell, zwischen einer vielschichtigen Sonata von Castello und englischen „Grounds“, über deren gleichbleibendem Bass sich wie in der Chaconne Melodien wie das allbekannte „Greensleeves“ emporranken. In beiden Bereichen, mit teils von Engel selbst editiertem Material, kommt die Musik in der kostbaren sechsköpfigen Barockbesetzung nun in Fahrt und entfaltet ihren berühmten Zauber, wenn auch nicht immer ganz in der sonst gewohnten Überlegenheit, Präzision und klanglichen Ausgewogenheit des Ensembles. Im Laufe des Abends erhalten nicht nur die beiden quicklebendigen Blockflötisten Thomas Engel und Claudia Gerauer ihre solistischen Aufgaben zugeteilt, sondern auch die Cembalistin Magdalena Malec in einer virtuos gemeisterten Frescobaldi-Toccata oder die Gambistin Sara Ruiz-Martinez in einem sich rasend steigernden „Ground“ von Simpson. Sie wird nur von Thor-Harald Johnsen an der Theorbe begleitet, der mit dem Cellisten Kaspar Singer das ruhende Zentrum bei „conSequenza.“ bildet.

Nächstes „Pforte“-Konzert: 12. April, 20 Uhr, Pförtnerhaus Feldkirch – „Dvorak und das Heimweh“ (epos:quartett, Gotthard Bilgeri, Rezitation)