Damit die Sonne heuer immer scheint

Kultur / 22.03.2013 • 20:53 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der deutsche Fotograf Ernst Scheidegger durfte Miró in seinem Atelier besuchen. Eine Fotoserie ergänzt die Ausstellung. Foto: Scheidegger
Der deutsche Fotograf Ernst Scheidegger durfte Miró in seinem Atelier besuchen. Eine Fotoserie ergänzt die Ausstellung. Foto: Scheidegger

Mit Miró wird die anziehungskräftigste Ausstellungsreihe am Bodensee fortgesetzt.

Christa Dietrich

Lindau. Die Schau zum 120. Geburtstag des aus Barcelona stammenden Malers Joan Miró (1893–1983) ist zwar mit „Sternennächte“ übertitelt, dass den Besuchern angesichts von Farb- und Motivwahl sonnige Begegnungen in Aussicht gestellt werden, steht aber wohl fest. Ein Strahlen hielten auch die Verantwortlichen in der Stadt Lindau bei der Präsentation der Werke dem sich erst zaghaft zeigenden Frühling entgegen, gelang es ihnen doch, mit den Vorgängerausstellungen einmal gut 50.000 (mit Zeichnungen von Picasso im Jahr 2011) und einmal sogar 75.000 Besucher (mit Arbeiten von Chagall im Jahr 2012) anzulocken. Dass Miró, einer der maßgeblichen Wegbereiter des abstrakten Expressionismus, kein ganz so starker Magnet ist, davon geht man aus und dafür hat man sich gerüstet. Mit einem umfangreichen Vermittlungsprogramm.

Die Aura des Neuen

Dieses ist unter anderem auch Zeugnis dafür, dass es hier nicht einfach darum geht, die zu einem großen Teil über private Sponsorgelder aufgebrachten 400.000 Euro in die Hand zu nehmen, um eine weitere Touristenattraktion anzubieten. Grob formuliert könnte man nämlich sagen, dass die rund 30 Arbeiten aus den Jahren 1924 bis 1979 das Œuvre von Miró abdecken. Mit der Gewährung eines didaktisch motivierten Einblicks gäbe sich Roland Doschka, seines Zeichens Fachmann im Bereich der klassischen Moderne, aber wohl nicht zufrieden. In dem, was er dank seines guten Netzwerkes mit Leihgaben aus privaten Sammlungen in Paris, Genf, Vaduz, Brüssel, Barcelona oder aus dem Museum in Palma de Mallorca zusammengetragen hat, wiederholt sich nicht ein oft zu sehendes Postkartenmotiv, die Arbeiten umgibt durchaus die Aura des Neuen.

Auch nur eines der typischen Großformate zu präsentieren, wäre in den kleinen Ausstellungsräumen unter dem historischen Gewölbe gar nicht möglich, man zeigt neben einer durchaus ausladenden, wie üblich aus Fundstücken zusammengesetzten Figur weitgehend Arbeiten auf Papier. Das Figurative, die Abstraktion, aber vor allem der Übergang vom einen zum anderen hat eine derartig suggestive Kraft, dass es fast Überwindung kostet, diese Räume überhaupt wieder zu verlassen.

Die 1935 auf sandfarbener Dachpappe gemalten Figuren, die etwas Comichaftes an sich haben, eingehend betrachten zu können, ist allein schon der Eintritt wert. Das ausgeklügelte Beleuchtungssystem tut ein Übriges, um in intensiven Kontakt mit der Sprache des Malers zu kommen. Natürlich scheinen da in den Formen und im Duktus auch ein Kandinsky durch oder ein Surrealismus, Miró ist in seinen Motiven – man beachte unbedingt auch die sich zeigenden Gesichter – ein großer Poet.

Er ist beileibe kein Sternengucker, holt mit seiner Affinität zu den Gestirnen aber jedenfalls ein wenig den Himmel herab.

Ohne Titel, aber auf einem Zeitungsbericht über Soraya, 1970
Ohne Titel, aber auf einem Zeitungsbericht über Soraya, 1970
„Die Eidechse mit den goldenen Federn“, 1965.
„Die Eidechse mit den goldenen Federn“, 1965.
„Rote Sonne“, Entwurf für die Lithografie, 1971.
„Rote Sonne“, Entwurf für die Lithografie, 1971.

Die Ausstellung ist vom 24. März bis 1. September im Stadtmuseum Lindau (Marktplatz), Mo bis So, 10 bis 18 Uhr geöffnet: www.miro-lindau.de