Ein Spaß bis hin zur Grinsekatze

Kultur / 22.03.2013 • 20:53 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
„Alice’s Adventures in Wonderland“ wurde gestern Abend vom Jugendclub +16 des Vorarlberger Landestheaters am Bregenzer Kornmarkt aufgeführt. Foto: VN/Hartinger
„Alice’s Adventures in Wonderland“ wurde gestern Abend vom Jugendclub +16 des Vorarlberger Landestheaters am Bregenzer Kornmarkt aufgeführt. Foto: VN/Hartinger

Wenn das mit dem Landestheater-Jugendclub so weitergeht, hat Vorarlberg bald einige Schauspieler mehr.

Bregenz. (VN-cd) Zu den Exportschlagern des Landes zählen eine Menge Musiker, einige Sänger und immer mehr bildende Künstler. Lassen wir die Architekten als Vertreter einer zumindest die Kunst tangierenden Branche einmal aus, so wäre noch festzuhalten, dass sich Begabungen aus Vorarlberg im darstellerischen Bereich nur ab und zu hervorgetan haben. Das professionelle Rüstzeug lässt sich im Bundesland, in dem es keine Universität gibt, ohnehin nicht erwerben, aber wo man sich Basisfähigkeiten aneignen kann, werden Talente überhaupt erst erkannt oder Berufswünsche geweckt.

Kinder- oder Schultheater­gruppen, wie sie beispielsweise im Gymnasium in Egg oder am Theater am Saumarkt existieren, haben diesbezüglich bereits Aufgaben übernommen, seit das Landestheater Jugendclubs eingerichtet hat, haben sie regen Zulauf. Hier werden eigene Projekte umgesetzt oder die jungen Kräfte für Auftritte mit Profis – wie das etwa bei Jelineks „In den Alpen“ der Fall war –, geschult.

Seit gestern Abend steht fest, dass der Jugendclub 16+ in der Lage ist, eigenständige, eigenwillige Produktionen so zu realisieren, dass Intendant Alexander Kubelka absolut richtig entschieden hat, als er das Stück „Alice’s Adventures in Wonderland“ auf der großen Bühne am Kornmarkt ansetzte.

Enorme Kraft

Kurz zusammengefasst: Die Produktion hat enorme Kraft und das beileibe nicht nur, weil sie folgerichtig enorm farbig und mit viel Körpereinsatz daher kommt.

Nein, so richtig beeindruckend sind im Grunde ja die stillen Momente. Der Kaffeeklatsch beim Hutmacher beispielsweise, bei dem die jungen Akteure exzellent aufeinander reagieren, subtilen Witz an den Tag fördern und die Schlagfertigkeit, die sie brauchen, genussvoll und exzellent auskosten. Das hat Charme, das hat Schwung, da zeigt sich gute Präsenz und vor allem wird eine Stimmung aufgebaut, die sich sofort zum Publikum hin vermittelt.

27 Mitglieder zählt die Truppe der Ältesten inzwischen. „Wir wollen niemanden abweisen“, betont Marcus Harms, der die Talente seit einigen Jahren betreut. „Ich bin immer wieder erstaunt darüber, was die jungen Leute mitbringen. Und das fördere ich“, erklärt er seine Vorgehensweise. Ob man dabei Berufsabsichten entwickelt, sei unwesentlich. Und wer nun meint, dass „Alice’s Adventures in Wonderland“, eine Geschichte, die man gemeinhin dem Kindertheater zuordnet, seine Idee war, der täuscht sich. Ausstatterin Julia Kopa hatte die Jugendlichen zwar mit einigen bereits früher entworfenen Ideen aus der Reserve gelockt, letztendlich sei man aber Feuer und Flamme gewesen für die Story mit Alice, der Grinsekatze und weiteren skurrilen Figuren

Festival geplant

Für Mai nächsten Jahres ist übrigens ein Jugendtheater­club-Festival geplant, bei dem Truppen aus dem ganzen Bodenseeraum in Bregenz zusammenkommen.

Ich bin immer wieder erstaunt darüber, was die jungen Leute mitbringen. Und das fördere ich.

Marcus Harms

Zweite Aufführung am 24. März, 19.30 Uhr, im Theater am Kornmarkt in Bregenz